Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2004

Ja zur Sanierung und Erweiterung des Kantonsspitals Sursee

Archiv: 20. Januar 2004

Am 8. Februar stimmen wir über einen Kredit von knapp 28 Millionen Franken ab für die Sanierung und Erweiterung des Kantonsspitals Sursee. Die Grüne Grossratsfraktion empfiehlt trotz Vorbehalten ein Ja.

von Patrick Graf, Grossrat, Kriens

Sparhysterie als Umfeld
Das Projekt steht in einem spitalpolitischen Umfeld, das als "Sparhysterie" beschrieben werden muss. Die Spitäler müssen einerseits mit steigenden Kosten und Belastungen umgehen, die sie kaum selber beeinflussen können (medizinischer Fort-schritt, teure Medikamente etc.). Andererseits folgen immer neue und radikalere Sparrunden ‐ vor allem seit den Steuersenkungen. Zum letztjährigen Personalstopp kommt der diesjährige Personalabbau, und das für 2004 notwendige Geld für Betrieb und Investitionen wurde um rund 50 Millionen (!) gekürzt ‐ mit entsprechenden Folgen für Personal, Patientensicherheit und Versorgung: Zweiklassenmedizin lässt grüssen. Und der Nachholbedarf für Investitionen steigt damit laufend an.

Investitionen dringend notwendig
Ursprünglich war in Sursee ein 80-Millionen-Projekt geplant, und 1994 wurde ein Projekt für 33 Millionen verabschiedet ‐ damals noch gegen die Grünen. Die damaligen Hauptkritikpunkte am inzwischen an den Finanzen gescheiterten Projekt ‐ fehlende Spitalplanung und kein Architekturwettbewerb ‐ sind mit der jetztigen Vorlage behoben. Das Projekt wurde optimiert und ist mit 28 Millionen noch etwas günstiger. Das architektonische Konzept überzeugt insgesamt.

Diese Investition ist für das Spital dringend notwendig. Vor allem die Operationsräume (inkl. Einrichtungen) platzen aus allen Nähten und müssen unbedingt erneuert werden. Auch der Ausbau des Ambulatoriums ist sinnvoll und notwendig, hat sich doch die Anzahl ambulant behandelter Patienten seit dem Bau mehr als verdoppelt und wird wohl weiter zunehmen.

Hauptkritikpunkte Küchenkonzept und Energie
Unser wichtigster Kritikpunkt ist die neu geplante Küche nach dem sogenannten "Cook-and-Chill"-Verfahren. Dieses als zukunftsweisend verkaufte Verfahren sieht vor, dass das Essen für die beiden Spitäler Sursee und Wolhusen in einer neuen zentralen Küche in Sursee gekocht, zubereitet und auf 2-4 °C "schockgekühlt" wird. Zusätzliche Strassentransporte zwischen Sursee und Wolhusen sind die logische Folge dieses Konzeptes. Zudem sind wir skeptisch, ob dieses Verfahren wirklich so gesund und energieeffizient ist, wie die Regierung verspricht. Die behauptete ausgeglichene Energiebilanz konnten wir nicht überprüfen, und ein Ver- und Entsorgungskonzept mit minimiertem Verkehr ist erst noch zu erstellen.

Mit diesem Küchenkonzept sollen rund 10 Stellen und etwa 500 000 Franken Betriebkosten pro Jahr eingespart werden. Wir hoffen, dass dies tatsächlich wie versprochen ohne Entlassungen geht, und dass mit dem gesparten Geld und den Stellen wenigstens die Situation im medizinischen Bereich und bei der Pflege entschärft wird.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Energie. Wie bei den meisten Bauprojekten des Kantons fehlen brauchbare Angaben zu Energieverbrauch, Wärmedämmung etc. Der Minergiestandard ‐ von anderen Kantonen zwingend einzuhalten ‐ wird nicht einmal diskutiert.

Positive Punkte überwiegen
In der Abwägung der positiven und negativen Punkte und angesichts der Notwendigkeit und Dringlichkeit der Sanierung kam die Fraktion aber zum Schluss, dass die Kritikpunkte nicht gewichtig genug sind, um das ganze Projekt abzulehnen. Ein weiteres Hinauszögern dieser Investition wäre nur schwer zu verantworten und würde wohl die Sparhysterie noch weiter verstärken. Zudem wäre bei einer Ablehnung wohl mit einem billigeren und noch weniger ökologischen Projekt zu rechnen.
Die Grossratsfraktion des GB empfiehlt deshalb, dem vorliegenden Projekt zuzustimmen und die damit verbundenen Kröten zu schlucken.