Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2019

SP, Grüne, Juso und Junge Grüne kritisieren den Entscheid zu den Maturitätsprüfungen

Archiv: 27. April 2019

Die SP Kanton Luzern, die Grünen Kanton Luzern und die beiden Jungparteien Juso und Junge Grüne zeigen sich irritiert über den Entscheid des Bildungs- und Kulturdepartements, die schriftlichen Maturitätsprüfungen durchzuführen und die mündlichen zu streichen. Die vier Parteien kritisieren diesen Entscheid vor allem aus staatspolitischen Überlegungen und bemängeln, dass er ohne die Konsultation der Betroffenen und der zuständigen Kommission gefällt wurde. Zusätzlich wird es auch anders gehandhabt als bei Lehrabschlüssen, wo die schulischen Prüfungen mit den Erfahrungsnoten ersetzt werden und für die praktische Arbeit pro berufliche Grundbildung eine schweizweit durchführbare Variante gewählt wird.

Für die Grünen, die SP und die ihre jeweiligen Jungparteien ist es nicht sinnvoll, für die Abschlüsse auf der Sekundarstufe 2 unterschiedliche Bedingungen zu schaffen. Der Entscheid auf Bundesebene bei den Lehrabschlüssen, wenn immer möglich auf Prüfungen zu verzichten und die Erfahrungsnoten als Diplomnoten zu zählen, steht bereits fest. Die praktische Abschlussprüfung wird durchgeführt. Dieser wurde allseits begrüsst. Vor diesem Hintergrund ist es sinnvoll und konsequent, auch die anderen Abschlüsse auf Sekundarstufe 2 namentlich die gymnasiale Matura und die Berufsmaturität unter denselben Bedingungen umzusetzen. Folglich verlangen SP, Grüne, die Juso und die Jungen Grünen vom Kanton Luzern, auf die schriftlichen Prüfungen zu verzichten, sofern Erfahrungsnoten vorliegen. Diese Haltung vertreten zudem alle jene Kantone, die zusammen rund 2/3 aller Maturand*innen abdecken. Wir bedauern daher, dass der Kanton Luzern sich mit seinem Vorgehen nicht der Mehrheit innerhalb der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK anschliesst und für eine schweizweit einheitliche Lösung engagiert.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie macht 2020 zu einem besonderen Jahr für die Schüler*innen auf allen Stufen und so auch für die Abschlussklassen. Das hat sich zwar niemand gewünscht, dem Umstand ist aber gebührend Rechnung zu tragen. Beim Maturaabschluss nun aber so etwas wie eine Normalität zu suggerieren und an den schriftlichen Prüfungen festzuhalten, ergibt keinen Sinn. Im Gegenteil: Dadurch entstehen neue Ungleichheiten, wie bspw. die Einschränkungen bzgl. Chancengerechtigkeit durch den Fernunterricht oder den Wegfall der mündlichen Prüfung, die einen angepassten Berechnungsschlüssel voraussetzen würde. Auch dass die 1. und 2. Klassen des Untergymnasiums aufgrund der schriftlichen Maturitätsprüfung nochmals zwei Wochen in den Fernunterricht geschickt werden, schafft weiter Ungleichheiten.

Es irritiert zudem, dass dieser weitreichende Entscheid allem Anschein nach ein relativ einsamer Entscheid seitens des BKD war. Er wurde ohne breite Diskussion mit den gymnasialen Schulleitungen und den weiterführenden Hochschulen wie Uni und PH gefällt. Ebenso wenig wurden der Verband der Luzerner Mittelschullehrpersonen oder die Schülerorganisationen angehört. Die zuständige Kommission des Kantonsrates wurde lediglich informiert. Dass nun von unterschiedlicher Seite Widerstand gegen den Entscheid erwächst, ist daher nicht weiter erstaunlich.

In ausserordentlichen Zeiten müssen klare, möglichst einheitliche Entscheide zeitnah erfolgen. Aufgrund dieser Überlegungen fordern die Grünen, die SP, die Juso und die Jungen Grünen den Regierungsrat auf, auf sämtliche Maturitätsprüfungen zu verzichten, sofern Erfahrungsnoten vorliegen. Die Juso Schweiz hat diesbezüglich bereits eine Petition lanciert.