Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2003

Beachtliche rund 42% Nein-Stimmen

Archiv: 19. Oktober 2003

Das Komitee "Nein zur hässlichen Stelzenstrasse" und das Grüne Bündnis sind enttäuscht,dass das überrissene Strassenbauvorhaben mit den hässlichen Viadukten nun realisiert werden soll. Die sehr beachtlichen rund 42% Nein-Stimmen sind trotzdem ein deutliches Zeichen, dass ein immer grösser werdender Teil der Bevölkerung Strassenausbau-Projekten sehr kritisch gegenübersteht, besonders wenn sie wie in diesem Fall deutlich über die anstehende Sanierung und die notwendige Ergänzung der Strasse mit einem Rad-/Gehweg hinausgeht.

Pressemitteilung Komitee "NEIN zur hässlichen Stelzenstrasse"

Der hohe Nein-Stimmen-Anteil drückt sicher auch die zunehmende Besorgnis über eine Umweltsituation aus, welche - wie der vergangene Sommer spürbar gemacht hat - aus den Fugen zu geraten droht. Denn es ist zu befürchten, dass die ausgebaute Strasse zusätzlichen Verkehr generieren wird und damit zu noch stärkerer Umweltbelastung führt. Der hohe Nein-Stimmen-Anteil zeigt auch die Skepsis insbesondere gegenüber dem geplanten Rossei-Viadukt im Landschaftsbild am Eingangstor zur Biosphäre Entlebuch. Gefallen wird dieser Viadukt kaum jemandem.

Schliesslich drückt der hohe Nein-Stimmenanteil sicher auch die Sorge um die knappen finanziellen Mittel aus, seien es Bundes- oder Kantonsgelder. Wir hoffen, dass für das zukünftige Leben und Wirtschaften im Entlebuch diese Strasse nicht den extremen Stellenwert besitzen wird, wie es uns die BefürworterInnen im Abstimmungskampf weis gemacht haben. Gerade in einer Biosphäre, die sich der Idee der Nachhaltigkeit verschreibt, ist die bessere Erschliessung durch den öffentlichen Verkehr eine entscheidende Option. Auch muss geprüft werden, wie sich Transporte und Transportwege reduzieren lassen. Deshalb werden wir uns - hoffentlich zusammen mit den Projekt-BefürworterInnen - dafür einsetzen, dass das Entlebuch und seine teilweise engen Dorfdurchfahrten nicht durch zu befürchtenden Transitverkehr zusätzlich buchstäblich unter die Räder kommen. Wir hoffen auch, dass die guten Grundideen der Biosphäre Entlebuch durch dieses überrissene Strassenbau-Projekt in Zukunft nicht in Frage gestellt werden.

Das Komitee hält fest, dass es ihm trotz minimalster Mittel (4700 Fr.) und trotz der parallel stattfindenen nationalen Wahlen, die die meisten Ressourcen anderweitig gebunden haben, gelungen ist, die öffentliche Diskussion in Gang zu bringen und sachlich inhaltlich zu prägen. Wir kritisieren, dass die BefürworterInnen teils mit unlauteren Argumenten und Angstmache operiert haben, denn beispielsweise hätte der Bund mit grosser Wahrscheinlichkeit auch die von uns vorgeschlagene reduzierte Variante mitfinanziert. Auch wäre ein reduziertes Projekt sicher schnell realisierbar schnell gewesen. Auch gewisse Zahlen, die herumgeboten wurden - wie etwa eine 20-minütige Barrieren-Schliessung ohne Bau des Viaduktes - haben sich nachweislich als falsch erwiesen.

Viele Fragen sind unbeantwortet. Wir wünschen uns diesbezüglich bald Klarheit. Wie dick werden nun die Pfeiler beim Rosseiviadukt? Welches Material wird für die Lärmschutzwände verwendet? Wird der Bahnübergang nun aufgehoben oder nicht? Die Abstimmungsbroschüre wählte die leichtere und beschönigende Variante. Sie entspricht nicht dem beabsichtigten Bauvorhaben, wie es der Projektleiter Herr Kurt Margadant vom Verkehrs- und Tiefbauamt gegenüber dem enteigneten Landeigentümer ausführte.

Auffallend ist, dass die Vorlage in der betroffenen Region Wolhusen-Amt Entlebuch nicht deutlich besser angenommen wurde als im kantonalen Mittel, obwohl dort von den Gemeinden Steuergelder für den Abstimmungskampf verwendet worden sind. Die verkehrsgeplagten Dörfer Wolhusen, Werthenstein, Entlebuch und Hasle sowie Romoos und Doppleschwand haben weniger deutlich als das Kantonsmittel zugestimmt. Wir werten dies als Zeichen, dass die Betroffenen dem Ausbau gegenüber skeptisch sind, aus Angst er bringe noch mehr Verkehr.

Trotz Niederlage dankt das Komitee "Nein zur hässlichen Stelzenstrasse" den Nein-Stimmenden, den mutigen AnwohnerInnen, dem Grafiker, und dem Grünen Bündnis, das Gelder ins Komitee einschoss. Ein weiterer Dank geht an die SVP Amt Entlebuch, welche die Kampagne durch eigene Mittel und Werbung begleitete. Leider hat die kantonale SVP nichts gemacht, nicht einmal die eigene Parole auf die Homepage geschaltet. In Sparzeiten liegt das Bauvorhaben quer in der Landschaft. Die hässlichen Viadukte sind und bleiben für uns nicht verständlich, auch aus finanzpolitischer Sicht. Wir verstehen nicht, wieso der Kanton Luzern bei diesem Strassenabschnitt eine maximale Variante durchführt, beim Ausbau der Kantonsschulen Willisau und Sursee hingegen spart und weniger als nötig realisieren will.