Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2003

Das Interview der Woche mit Ruedi Schmidig

Archiv: 11. Oktober 2003

10 NationalratskandidatInnen geben Auskunft - Lesen Sie jede Woche das Interview mit einer oder einem der 10 NationalratskandidatInnen des GB Luzern. Diese Woche: Ruedi Schmidig.

Interview: Michael Töngi

Noch eine Woche bis zu den Wahlen, bist Du nervös?
Seit 1987 stelle ich mich für das Stadtparlament alle 4 Jahre einer Volkswahl. Bei diesen Wahlen bestand stets eine reale Möglichkeit, gewählt (resp. nicht gewählt) zu werden. Da war ich jeweils schon ein bisschen nervös. Bei den Nationalratswahlen habe ich mich auf die GB-Liste setzen lassen, um mitzuhelfen, dass das Grüne Bündnis mit Cecile Bühlmann auch in den nächsten 4 Jahren in Bern vertreten sein wird. Ich rechne mir keinerlei Wahlchancen aus, bin deshalb auch nicht nervös.

Du warst bis vor kurzem Präsident des Grossen Stadtrates, engagierter Parlamentarier und auch noch Präsident der Bürgerrechtskommission, wie bringst Du das alles unter einen Hut?
Die Sitzungsgelder sind eher mickerig, der Aufwand zeitlich nicht zu unterschätzen. Man darf auf Ersatzeinkünfte für die politische Arbeit nicht angewiesen sein. Ich bin in der glücklichen Lage, dass meine Partnerin mitverdient und wir keine Unterstützungspflichten (mehr) haben. Durch meine selbständige Erwerbstätigkeit kann ich zudem meine Arbeitszeit einigermassen frei gestalten.

Bleibt da überhaupt noch Raum für Freizeit?
Auf jeden Fall. Wenn du am letzten Samstag, 11. Oktober 2003 am GB-Fest in der Zwischenbühne gewesen bist, hast du gesehen, dass ich in der Blues Band BLUE MOOD Bass spiele. Wir machen seit über 20 Jahren jeden Mittwoch zusammen Musik. Dann ist mir meine Partnerschaft sehr wichtig. Anna und ich verbringen viel Zeit zusammen, reisen gerne und versuchen in der letzten Zeit auch, gemeinsame (Kunst-)Projekte zu realisieren.

Vor den Sommerferien wurde in Bern ein Steuerpaket beschlossen, das Reichen Steuererleichterungen bringt, und nach den Sommerferien wurde ein Sparpaket verabschiedet, das im sozialen und ökologischen Bereich Gelder kürzt. Ein Frust für dich oder einfach politische Realität, an die Du Dich gewöhnt hast?
Sowohl als auch. Ich bin mir bewusst, dass wir in «Bern» keine - oder doch nur sehr selten - Mehrheiten organisieren können. Aber ich bin doch froh, dass es uns ab und zu gelingt, mit Referenden oder Initiativen, teilweise zusammen mit SP und Gewerkschaften, Themen zu setzen und damit unsere politischen Inhalte transparent zu machen.

Du sprichst Dich für eine Steuerharmonisierung aus. Wie begegnest Du Vorwürfen, dass eine Angleichung der Steuerfüsse allgemein zu höheren Steuern führt, da dann der Wettbewerb zwischen den Gemeinden und Kantonen nicht mehr spielt?
Die heutigen Steuerunterschiede lassen sich überhaupt nicht rechtfertigen. Der Wettbewerb zwischen den Kantonen und Gemeinden kann künftig ‐ trotz reduzierten Steuerunterschieden ‐ sehr wohl doch funktionieren. Meine Vorstellung ist die: Steuerdifferenzen sollten sich in einem so engen Bereich bewegen, dass sie bei der Standortwahl eine untergeordnete Rolle spielen würden. Wichtig für den Entscheid, wo man wohnt oder wo Firmen ihren Standort wählen, wäre dann zum Beispiel, ob eine Gemeinde eine Tagesschule führt, ob ein umfassendes Kultur- und Bildungsangebot vorhanden ist, ob es eine langjährige Theater-Tradition gibt, ob Museen und Galerien unterstütz werden, ob die Gemeinde für ein gutes Wohnklima auch für Kinder und ältere Leute und weniger individuellen Motorfahrzeugverkehr einsteht, ob der öffentliche Verkehr gut ausgebaut ist, ob der Langsamverkehr gefördert wird oder ob es Programme und Anstrengungen zur Integration aller Einwohnerinnen und Einwohner - mit und ohne Schweizer Pass - gibt.