Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Aktuell

Postulat über den Ausbau des Velonetzes im Kanton Luzern

17. Juni 2019

Samuel Zbinden und Mitunterzeichnende fordern den Regierungsrat mit einem Postulat auf, das kantonale Radroutenkonzept so anzupassen, dass der Modalsplit zu Gunsten des Velos erhöht werden und der Bau eines lückenlosen Netzes von Velobahnen, Velostrassen, Velowegen und Velostreifen im ganzen Kanton in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Dritten in die behördenverbindlichen Vorgaben des Radroutenkonzeptes aufgenommen werden kann.

Der Regierungsrat wird aufgefordert, das kantonale Radroutenkonzept so anzupassen, dass der Modalsplit zu Gunsten des Velos erhöht werden kann. Konkret soll der Bau eines lückenlosen Netzes von Velobahnen, Velostrassen, Velowegen und Velostreifen im ganzen Kanton in Zusammenarbeit mit den Gemeinden und Dritten in die behördenverbindlichen Vorgaben des Radroutenkonzeptes aufgenommen werden. Der Ausbau der Veloinfrastruktur soll unabhängig vom Ausbau der MIV-Infrastruktur möglich sein. Ziel des überarbeiteten Radroutenkonzeptes soll es sein, dass bis 2030 alle wichtigen Zentren und Wohngebiete des Kantons sicher, direkt und komfortabel mit dem Velo erreichbar sind.

Begründung:
Der Verkehr ist einer der Haupttreiber der Klimakrise: 32 Prozent der Inlandemissionen der Schweiz stammen aus diesem Bereich (ohne internationalen Flugverkehr). Da ein Grossteil der Verkehrsinfrastruktur in der Kompetenz der Kantone liegt, hat der Kanton Luzern hier eine grosse Verantwortung aber auch eine grosse Chance. Durch eine starke Förderung des Veloverkehrs kann der Kanton Luzern seine Verantwortung in der Bekämpfung des Klimawandels wahrnehmen, und gleichzeitig seiner Bevölkerung eine attraktive, sichere und gesunde Alternative zum klimaschädlichen motorisierten Individualverkehr (MIV) anbieten.

Die nationalen Zahlen zeigen, wie schlecht es in der Schweiz um die Veloförderung steht: Der Anteil der Schweizer Bevölkerung, die regelmässig mit dem Velo unterwegs ist, ist mit zirka 7 Prozent tiefer als der EU-Durchschnitt (8,3 %)1. Auch der Anteil des Velos am Modalsplit (Anzahl Etappen) liegt in der Schweiz mit 5,31 Prozent 2 auf einem sehr tiefen Stand. Zum Vergleich: In den Niederlanden wird jede vierte Etappe mit dem Velo zurückgelegt.

Die Situation im Kanton Luzern sieht nicht besser aus: So sieht das kantonale Radroutenkonzept zwar einen Ausbau der Velowege und -streifen vor, allerdings nur in begrenztem Rahmen und ohne Zusammenarbeit mit den Gemeinden. Der Stand der Umsetzung lag im Jahr 2017 erst bei zirka 70 Prozent, obwohl bereits 2013 90 Prozent hätte erreicht werden sollen.3

Um den Modalsplit zu Gunsten des Velos wirklich zu erhöhen, ist neben den bereits im Radroutenkonzept festgehaltenen Velowegen und -streifen die Erstellung sogenannter Velostrassen und Velobahnen wie in der Vision Velonetz4 von VCS und Pro Velo festgehalten notwendig. Wann immer möglich, soll dieser Ausbau innerhalb der bestehenden Strasseninfrastruktur geschehen. Die Neuerstellung einer Velobahn oder -strasse soll allerdings auch losgelöst von der MIV-Infrastruktur möglich sein.

Ein attraktives Velonetz bedingt eine lückenlose Erschliessung aller Zentren und Wohngebiete im Kanton. Darum ist es essenziell, dass sich der Kanton nicht einfach auf die Veloinfrastruktur entlang der Kantonsstrassen konzentriert, sondern in Zusammenarbeit mit Gemeinden und Dritten für eine durchgehende Veloinfrastruktur im ganzen Kanton einsetzt. Beispiele wie die Velonetzplanung der Gemeinden Sursee Plus zeigen, dass die Umsetzung gemeindeübergreifender Velonetze durch die fehlende Zusammenarbeit der verschiedenen Akteure behindert wird.

1 https://blog.tagesanzeiger.ch/datenblog/index.php/12214/velo-entwicklungsland-schweiz
2 https://www.are.admin.ch/are/de/home/verkehr-und-infrastruktur/grundlagen-und-daten/verkehrsverhalten.html
3 https://www.lu.ch/kr/parlamentsgeschaefte/CdwsFiles?fileid=c245217bb87b44bd86c2a6690e46bcf2
4 https://www.vcs-lu.ch/themen/vision-velonetz-luzern/