Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Aktuell

Postulat über die regelmässige Überprüfung der Nachhaltigkeit des volkswirtschaftlichen Wachstums des Kantons Luzern durch Ermittlung des kantonalen «Happy Planet Index»

17. Juni 2019

Urban Frye und Mitunterzeichnende fordern den Regierungsrat mit einem Postulat auf, in periodischen Abständen den «Happy Planet Index» für den Kanton Luzern zu ermitteln, um den Fortschritt beim Ziel, die Nachhaltigkeit beim Wirtschaftswachstum zu fördern, genauer evaluieren zu können.

Das Postulat verlangt von der Regierung, in periodischen Abständen den «Happy Planet Index» für den Kanton Luzern zu ermitteln, um den Fortschritt beim Ziel, die Nachhaltigkeit beim Wirtschaftswachstum zu fördern, genauer evaluieren zu können.

Begründung:
Die vergangenen 20 Jahre ist der Kanton Luzern stark gewachsen. Die Bevölkerung hat seit 1999 (340000) um 70000 Personen zugenommen. Gleichzeitig ist auch die Wirtschaft gewachsen. Die Anzahl Firmen ist gestiegen (2011: 30000 / 2016: 32000) und ebenso jene der Arbeitsplätze (2011: 177000 / 2015: 187000). Damit wuchs auch das kantonale Bruttoinlandprodukt von 22 Milliarden Franken (2008) auf 26 Milliarden Franken (2016).

Betrachtet man das Bruttoinlandprodukt pro Einwohner (2008: 62000 / 2015: 67000), so ist es richtig, dass auch teuerungsbereinigt der Konsum pro Einwohner in dieser Periode um gut 5 Prozent gestiegen ist. Wir wissen jedoch, dass mit der Steigerung des monetär bedingten Wohlstandes das subjektive Wohlbefinden nicht um den gleichen Faktor zunimmt.

Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum begünstigen zwar die ökonomische Entwicklung, andererseits nimmt mit ihnen auch der Druck auf die Umwelt zu. Jeder Mensch verbraucht Energie, Ressourcen und Rohstoffe, produziert Abfall und beansprucht Wohnraum und Strassen.

Wachstum kann mehr oder weniger nachhaltig ablaufen. Ohne Nachhaltigkeit wird eine Volkswirtschaft letztlich implodieren, da die langfristig verursachten Schäden weit über den kurzfristig erreichten Gewinnen liegen.

Ein umfassendes nachhaltiges Wachstum bedeutet, dass dieses nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch und sozial gewinnbringend sein muss. Mit dem Brundtland-Bericht «Our Common Future» hat sich die Weltkommission für Umwelt und Entwicklung der Vereinten Nationen 1987 darauf geeinigt, dass nachhaltige Entwicklung die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können.

Moderne Wirtschaftsmodelle, wie etwa das «Gross National Happiness», der «Happy Planet Index» (HPI; http://happyplanetindex.org) oder der «World Happiness Report» stellen heute die rein monetären Gewinne einer Volkswirtschaft in einen Zusammenhang mit den damit erreichten ökologischen und sozialen Gewinnen oder Verlusten.

Durch die Gegenüberstellung des subjektiven Wohlbefindens und der durchschnittlichen Lebenserwartung mit dem ökologischen Fussabdruck, geht der «Happy Planet Index» der Frage nach, welches Land das Wohlbefinden der heutigen Generation maximiert und die dabei entstehenden Umweltbelastungen gleichzeitig minimiert, um zukünftigen Generationen die Generierung von Wohlbefinden zu ermöglichen. Der «Happy Planet Index» wurde im Juli 2006 als alternativer Fortschrittsindikator zum Bruttoinlandprodukt von der «New Economics Foundation», einer britischen Denkfabrik, in Zusammenarbeit mit der Nichtregierungsorganisation «Friends of the Earth» in Grossbritannien entwickelt. Der «Happy Planet Index» entspricht der Lebenserwartung mal subjektives Wohlbefinden geteilt durch den ökologischen Fussabdruck. Er erhält maximale Werte, wenn die Lebenszufriedenheit möglichst hoch und der ökologische Fussabdruck möglichst gering ist. Beim «Happy Planet Index» befindet sich die Schweiz auf Rang 24 (http://happyplanetindex.org/countries/switzerland), da gerade wegen des hohen durchschnittlichen Einkommens der ökologische Fussabdruck grösser ist. Auf Rang 1 steht Costa Rica.

Bis anhin hat die Politik des Kantons Luzern die Prosperität des Kantons einzig an den erzielten monetären Gewinnen gemessen. Wir wissen nicht, wie die Bilanz mit Berücksichtigung der ökologischen und sozialen Komponenten aussieht.

Das Postulat verlang von der Regierung die Ermittlung des «Happy Planet Index» für den Kanton Luzern. Absicht ist es, durch die Ergebnisse den Fortschritt beim Ziel, ein nachhaltiges Wachstum zu fördern, genauer messen zu können. Der «Happy Planet Index» soll zukünftig in regelmässigen Perioden (Vorschlag: alle drei Jahre) ermittelt werden.

Die Daten für den «Happy Planet Index»-Report zur Lebenserwartung basieren auf den Daten, die von den Vereinten Nationen gesammelt wurden (Human Development Report; http://www.hdr.undp.org/). Die Angaben zum subjektiven Wohlbefinden stammen aus der Datenbank des «Gallup World Poll» (https://www.gallup.com). Gallup macht auch Angaben zur verwendeten Methodik.

Soweit die Werte der einzelnen Variablen nicht bereits bekannt sind (Lustat, Bundesamt für Statistik, Nichtregierungsorganisationen), können sie durch repräsentative Umfragen in Zusammenarbeit mit der Universität oder der Hochschule sowie mittels bereits bestehender Befragungstools von Umweltorganisationen wie jenes des WWF (Footprintrechner) erhoben werden. Da es sich um Normalverteilungen handelt, können durch Standardisierungsmodelle der Statistik (Z-Transformation) bereits erhobene Daten verwendet werden, auch wenn diese andere Masseinheiten verwenden.