Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Aktuell

Postulat über das Rezyklieren von Kunststoff

17. Juni 2019

Christina Reusser und Mitunterzeichnende fordern den Regierungsrat mit einer Motion auf, das Sammeln und das Recycling von Kunststoffabfällen im Kanton Luzern einzuführen.

Der Regierungsrat wird aufgefordert, das Sammeln und das Recycling von Kunststoffabfällen im Kanton Luzern einzuführen.

Begründung:
Plastik wird aus der endlichen Ressource Erdöl hergestellt. Dieser Rohstoff wird uns nicht für alle Zeiten zur Verfügung stehen. Zudem erzeugt das Produkt Kunststoff bei seiner Herstellung und Entsorgung hohe CO2-Emissionen, und wenn es statt entsorgt in die Natur gelangt, verursacht es verheerende Folgen und Schäden für die Umwelt, bis hin zum direkt verursachten Tod von Tieren. Deshalb gehört es zu den wichtigen Aufgaben der weltweiten Politik, den Verbrauch von Plastik so weit wie möglich einzuschränken sowie das im Umlauf befindliche Plastik so lange wie möglich im Nutzungskreislauf zu halten. Dies sind wir der Natur und den folgenden Generationen schuldig.

Es ist daher an der Zeit, auch im Kanton Luzern Anstrengungen zum Kunststoff-Recycling zu machen. 2008 war der Regierungsrat der Ansicht, dass «eine separate Sammlung von Kunststoffabfällen aus Haushaltungen und deren stoffliche oder energetische Verwertung durch Pyrolyse zurzeit aus ökologischen und finanziellen Aspekten nicht sinnvoll» sei. Die Empa-Studie von 2017 beschreibt den ökologischen Mehrwert nun jedoch wie folgt: «Die gemischte Sammlung hätte das Potenzial, in Zukunft einen wichtigen Beitrag zur Reduktion von CO-Emissionen der Abfallwirtschaft zu leisten.» Und die vom Bundesamt für Umwelt (Bafu) mitgetragene Studie «Kurve 2017» kommt zum Ergebnis, dass das Potential des ökologischen Nutzens einer gemischten Haushaltskunststoffsammlung gleich gross ist wie der ökologische Nutzen der bereits seit vielen Jahren etablierten Glasflaschensammlung. Oder wie es die Vogt Plastic GmbH in Badisch Rheinfelden, die Abnehmerin des Kunststoffsammelsacks der Transport AG Aarau, sagt: «Wir produzieren mehrere 10000 Tonnen farbkräftige Regranulate (PE, PP, PS PO) aus dem Kunststoffsammelsack (Schweiz) und dem gelben Sack (Deutschland). Ca. 20 Prozent des so hergestellten Regranulats geht zurück in die Schweiz zur Herstellung neuer, qualitativ hochwertiger Produkte.»

Die Technologie für die Produktion von Regranulaten hat sich in den letzten Jahren stark entwickelt und tut das immer weiter. Die Wiederverwertung von Plastik lohnt sich, denn Kunststoff hat eine hohe Recyclingquote: Aus dem gereinigten Plastik lassen sich heute mehr als 55 Prozent hochwertige Regranulate herstellen. Daraus werden zum Beispiel in Schweizer Kunststoffwerken Rohre, Folienprodukte und verschiedenste Formteile in der Spritzgussfertigung hergestellt. Dabei wird halb so viel Energie verbraucht wie bei der Herstellung der Granulate aus Erdöl. Was nicht rezykliert werden kann, wird zu Flocken verarbeitet und dient der Zementindustrie als Brennstoff. Ein Grossteil der Fremdstoffe, die bei der Sortierung und Reinigung der Kunststoffsammelsäcke anfallen, besteht ebenfalls aus wiederverwertbaren Materialien wie PET, Metall und Getränkekarton.

Beim Verbrennen einer Tonne Kunststoff entstehen im Schnitt drei Tonnen CO2. Das Material und die graue Energie gehen für immer verloren. Anders beim Recycling: Wenn der Kunststoff eingeschmolzen wird, bleibt die graue Energie im Produkt gebunden. Graue Energie bezeichnet die Energie, die bei der Herstellung des Produkts für Gewinnung, Herstellung, Transport, Lagerung, Verkauf usw. verbraucht wird. Recycling behält diese Energie im Kunststoff, statt sie zu verschwenden.

Zusammengefasst sprechen folgende gute Gründe für das Sammeln und Rezyklieren von Haushaltskunststoff:
  • Der Verbrauch endlicher Ressourcen wird vermindert.
  • Wertstoffe können erhalten werden.
  • CO-Emissionen werden vermindert.
  • Der Plastikabfall und somit die gesamte Abfallmenge wird reduziert.
  • Es wird Energie gespart.
  • Eine Kreislaufwirtschaft wird in Gang gebracht.
  • Arbeitsplätze werden geschaffen.