Grüne Vorstösse in Agglomeration und Gemeinden - Archiv 2013

Postulat zur Mitfinanzierung der Wärmerückgewinnung SwissSteel

Archiv: 7. Oktober 2013

Timo Krebs (Grüne) und Christian Zürcher (Grünliberale) bitten den Emmer Gemeinderat in einem Postulat vom 7. Oktober 2013, Investitionen in die Abwärmenutzung der SwissSteel zu tätigen und aufzuzeigen, welche Zwischenlösungen bis zur Inbetriebnahme des Heizkraftwerks Littauerboden vorhanden sind.

Der Spatenstich für die Renergia, die neue Kehrichtverbrennungsanlage in Root, ist am 13. September 2012 erfolgt. Die Inbetriebnahme ist auf Mitte 2015 geplant. Die Renergia wird mit ihrer produzierten Abwärme in erster Linie die Papierfabrik Perlen bedienen. Weiter wird von der EWL ein Fernwärmenetz Rontal aufgebaut. Die EWL hat auch 50% am Kapital der Fernwärme Emmen AG übernommen und damit auch die Fernwärmekunden der KVA Ibach. Dazu gehört unter anderen auch die Gemeinde Emmen.

Ein «Positionspapier Abwärmenutzung Luzern Nord Emmen» liegt vor. In einem Standortvergleich wird gestützt auf verschiedene Kriterien aufgezeigt, dass die Vorteile des Standortes Swiss Steel im Littauerboden für die Nachfolge der Wärmeproduktion nach der Schliessung der KVA Ibach gegenüber dem Standort Ibach deutlich überwiegen. Das Papier zeigt ferner acht Teilgebiete mit erhöhter Wärmebedarfsdichte, die sich für eine Erweiterung der bestehenden Fernwärmeversorgung im Gebiet Luzern Nord und Emmen eignen. Ende April 2013 hat sich der Verwaltungsrat der Fernwärme Emmen AG für den Standort Swiss Steel entschieden. Hier soll ein Heizkraftwerk erstellt werden. Weiter ist ein Projekt zur Nutzung der Abwärme aus der Stahlproduktion von Swiss Steel in dieses Heizkraftwerk in Arbeit.

Aus ökologischer Sicht ist die Nutzung bereits vorhandener Abwärme auch einer Wärmeproduktion aus erneuerbaren Energieträgern überlegen. Die Stahlproduktion bei SwissSteel benötigt grosse Mengen an Energie, die nach dem Produktionsprozess zum überwiegenden Teil ungenutzt bleiben.Mit dem Dampf wäre es möglich, bis 10 GWh Strom pro Jahr zu produzieren. Diese Anwendung bildet für ewl das grösste Potenzial einer lokalen Stromproduktion. Mit der verbleibenden Wärme kann das Fernwärmenetz versorgt werden.

Die Anfangsinvestitionen für die Anlagen der Wärmerückgewinnung sind mit zirka 20 Mio. Franken hoch. Mit der Entschädigung aus der Nutzung als Fernwärme können diese nur sehr beschränkt amortisiert werden. Die Rentabilitätsberechnungen weisen einen Fehlbetrag auf, was bedeutet, dass dieses energiepolitische Vorzeigeprojekt nur realisiert werden kann, wenn Förderungsbeiträge zugesprochen werden, wenn direkt Betroffene (Gemeinden, Kanton, Unternehmen) sowie interessierte und klimapolitisch engagierte Dritte sich an den Investitionskosten beteiligen.

Wenn es gelingt, für dieses Projekt Fördergelder in grösserem Umfang zu gewinnen, kann die Abwärme aus der Stahlproduktion bedeutend stärker genutzt werden. Der Grosse Stadtrat Luzern hat bereits 2,5 Mio. Franken als A-Fonds-perdu-Beitrag für dieses Projekt gesprochen. Der Betrag ist Teil der knapp 12,5 Mio. Franken, die aus der Überfinanzierung REAL an die Stadt überwiesen werden.

Auch die Gemeinde Emmen sollte sich an diesem ökologisch sinnvollen Projekt beteiligen. Emmen als Standortgemeinde der Swiss Steel kann auf diese Weise auch die Unterstützung eines wichtigen Industriebetriebs und Arbeitsgebers zeigen, indem langfristige Investitionen zur Verbesserung der Energieausnutzung unterstützt werden.

Wir fordern deshalb vom Gemeinderat:
  1. Mit Hilfe der Rückerstattung des Überschusses der REAL Investitionen in die Abwärmenutzung bei der Swiss Steel zu tätigen, sei dies in Form von Darlehen oder -Fonds-perdu-Beiträgen.
  2. Dem Einwohnerrat aufzuzeigen, welche Übergangslösung geplant ist zwischen der Einstellung des Betriebes im KVA Ibach im Jahre 2015 und der Inbetriebnahme des Heizkraftwerkes im Littauerboden, welche aufgrund von Problemen technischer Art, Einsprachen, schwer erfüllbaren Auflagen oder auch Finanzierungsproblemen verzögert werden könnte.
    Wie kann sichergestellt werden, dass die Gemeinde Emmen als Abnehmerin von Fernwärme, auch ab Herbst 2015 keine kalten Räume hat?
    Auch stellt sich die Frage, ob eine solche Übergangslösung als Endzustand dienen könnte, falls die Strategie der Fernwärme Emmen AG, Heizkraftwerk/Abwärme SwissSteel, Schiffbruch erleidet.