Grüne Vorstösse in Agglomeration und Gemeinden - Archiv 2013

Interpellation über neue Formen der Betreuung für ältere Emmerinnen und Emmer

Archiv: 26. März 2013

Monique Frey stellt dem Emmer Gemeinderat namens der Grünen/SP/GLP-Fraktion in einer Interpellation vom 26. März 2013 Fragen bezüglich neuer Formen der Betreuung von älteren Emmerinnen und Emmern.

Die Gemeinde Emmen hat ein neues Altersleitbild. Es legt die Prinzipien fest, an welchen sich alle staatlichen und privaten Akteure in Emmen in ihrem Zuständigkeitsbereich orientieren können. Darin werden auch Massnahmen definiert, die in den kommenden Jahren realisiert werden sollten.

Die neue Pflegefinanzierung des Bundes, insbesondere in der Ausgestaltung des Kantons Luzern, hat einschneidende Konsequenzen für Emmen. Nach der neuen Pflegeverordnung berappen Betroffene selber für die Pflege pro Tag maximal 21.60 Franken. Die Krankenkasse übernimmt 108 Franken. Die Gemeinde hat zur Restfinanzierung, je nach Pflegestufe und Kosten des Heimes, bis zu 200 Franken zu bezahlen. Bei Spitex / ambulanter Pflege zahlen die Betroffen max. 486 Franken pro Monat. Die Pflegebeiträge der Krankenversicherer pro Stunde betragen bis 80 Franken. Die Restfinanzierung übernimmt die Gemeinde.

Wenn in den nächsten Jahrzehnten die Lebenserwartung immer höher und die Anzahl Pflegefälle immer grösser wird, kann die Gemeinde ihren finanziellen Verpflichtungen ohne Steuererhöhungen nicht mehr nachkommen. Fachleute rechnen damit, dass die heutigen Kosten in den nächsten 20 Jahren auf das Dreifache steigen dürften. Da sind ganzheitliche Lösungen gefragt. Die Gemeinde soll die Anliegen der älteren Einwohnerinnen und Einwohner aufnehmen, ihre Selbstständigkeit und Selbstbestimmung unterstützen, und die soziale Sicherheit stärken. Bei Krankheit oder Gebrechlichkeit muss den EinwohnerInnen ein Angebot an Pflege- und Unterstützungsdiensten zur Verfügung stehen, die es den älteren Menschen ermöglichen, möglichst lange zuhause zubleiben. Es ist erwiesen, dass die häusliche Betreuung und Pflege nicht nur einem Bedürfnis der betagten Menschen entspricht, sondern im Vergleich zur stationären Pflege auch kostengünstiger ist. Aus Studien weiss man, dass mit der konsequenten Umsetzung der häuslichen Begleitung und Betreuung und einer gezielten ambulanten Pflege kein Ausbau der stationären Pflege nötig ist.

Damit diese häusliche Betreuung und Pflege längerfristig gut funktioniert, sind die Gemeinden, aber auch private Organisationen und die Quartiergemeinschaften gefordert. Um das freiwillige Hilfe- und Betreuungsnetz von Frauen, Verwandten und Nachbarn auszubauen und attraktiver zu gestalten braucht es neue Formen der Organisation, wie zum Beispiel ein effizientes Anreizsystem für die Betreuung zu Hause.

Fragen:
  1. Wie sieht die Situation für die Betreuung von älteren Emmerinnen und Emmer in 20 Jahren aus?
  2. Wie viele Plätze müssen in 20 Jahren in Betagtenzentren zur Verfügung gestellt werden? Welchen Ausbau bedeutet das in Bezug auf heute?
  3. Welches sind die finanziellen Gesamtkosten für die Gemeinde für die Betreuung zu Hause und die Betreuung in Betagtenzentren?
  4. Welche Alternativen im Bereich der Betreuung von älteren MitbürgerInnen erarbeitet die Gemeinde Emmen aktuell?
  5. Wie könnte ein in verschiedenen Ländern bereits seit längerem eingespieltes Zeitgutschriftenmodell in Emmen praktiziert werden?
  6. Welche Vorteile verspricht sich der Gemeinderat von einer solchen alternativen Betreuungsstruktur?