Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2010

Über sieben Brücken musst Du gehen

Archiv: 18. Januar 2010

Medienmitteilung der Fraktion der Grünen und der Jungen Grünen im Grossen Stadtrat von Luzern

Vor drei oder vier Jahren verkündete Michael Häfliger, Leiter des Lucerne Festivals, dass unbekannte GeldgeberInnen eine Spende von 100 Millionen Franken angekündigt hätten, zweckgebunden für den Bau einer Salle Modulable. Die unbekannten SpenderInnen halten sich bis anhin offiziell bedeckt.

Inzwischen hat der Stadtrat einen Bericht vorgelegt, in welchem er sich mit den "absehbaren Chancen und Risiken für die Stadt und den Standort Luzern" auseinandersetzt. Der Bericht hat viel Unmut geweckt und ist inzwischen in mehreren Punkten überholt.

Welche Folgerungen zieht die Fraktion der Grünen und Jungen Grünen für die weiterführende Diskussion um die Salle Modulable?
  1. Ohne vollständige Transparenz läuft nichts. Die Stiftung Salle Modulable muss die Namen der GeldgeberInnen öffentlich bekannt geben. Erst recht seit die Sonntagszeitung Recherchen publizierte, wonach die Gelder aus einem Geschäft stammen würden, bei dem grosse Verkaufserlöse vorsätzlich am (deutschen) Fiskus vorbei geschleust wurden.
  2. Sowohl Sprech- wie auch Tanztheater müssen weiterhin bestehen bleiben. Die Innerschweiz und Luzern haben eine jahrhundertealte Theatertradition, und das Luzerner Theater eine Tradition als Tanztheater. Vor allem aber gilt: Nur feste Strukturen ermöglichen eine gesicherte Weiterentwicklung.
  3. Vor dem Entscheid, ob sich Stadt und Region Luzern allenfalls an den Bau- oder/und Unterhaltskosten einer Salle Modulable beteiligen, muss in Stadt, Region und Kanton eine allgemeine Kultur-Debatte geführt werden, mit dem Einbezug aller kulturpolitischen AkteurInnen.
  4. Ein allfälliger Standort muss nicht zwingend im Kern der Kernstadt Luzern liegen. Die Standortsdiskussion, an der sich bis anhin weitgehend nur die PromotorInnen aktiv einbringen konnten, muss nochmals geführt und die Zahl der möglichen Standorte muss wieder ausgeweitet werden.
  5. Falls Stadt und/oder Kanton sich an den Betriebskosten beteiligen, darf dies nicht zu Kürzungen bei bereits bestehenden kulturellen Institutionen oder Sparten führen.
  6. Der Betrieb einer Salle Modulable ist keine städtische, sondern eine regionale Angelegenheit. Kommunen und Kantone der Agglomeration müssen sich deshalb ebenfalls den Kosten beteiligen, und daher vorher in die Diskussionen eingebunden werden.
  7. Die Stadt kann bei der angekündigten städtischen Sparübung nicht bildungspolitische, soziale oder ökologische Standards abbauen und sich gleichzeitig am Betrieb eines Luxusprojektes beteiligen.