Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2006

Daum, däumer, am däumsten?

Archiv: 1. Juni 2006

Arbeitgeberpräsident Daum bläst als erste Amtshandlung zum Frontalangriff auf die Jugendlichen: Junge Arbeitslose sollen nur mehr während 250 anstatt 400 Tagen Arbeitslosengelder beziehen können. Die Jungen Grünen (jgrüne) hoffen, dass es sich dabei um eine Bieridee handelt. Ansonsten wäre der Vorschlag sehr bedenklich.

Medienmitteilung Junge Grüne Luzern

Jugendarbeitslosigkeit: GAU
Offenbar geht Daum davon aus, die Mehrheit der arbeitslosen Jugendlichen wolle keinen Job. Er kann sich wohl kaum mehr in die Lage eines Lehrabgängers versetzten, der endlich das Erlernte anwenden und sich ins "richtige" Leben stürzen möchte. Wenn ihm der Markt dazu keine Chance einräumt, ist das ein GAU: Keine Arbeit heisst nicht nur weniger Geld und Ansehen sondern oftmals auch weniger "Sinn im Leben": Speziell als junger Arbeitsloser, der noch nicht über das gewachsene Selbstwertgefühl eines erfahrenen Menschen verfügt, fühlt man sich zu nichts nutze. Jugendarbeitslosigkeit bedeutet Perspektivenlosigkeit. Und diese ist mit ein Nährboden für die Probleme, welche die Regierenden mit der jungen Generation assoziieren: Gewalt, Depressionen, Suchtmittel.

"Ihr habt das zu verantworten!"
Die Generation der heutigen Jugendlichen ist aber nicht schuld an den Verhältnissen auf der Welt, in der sie sich zu behaupten hat. Daum und Konsorten haben diese zurechtgezimmert. Wenn nun jene, die eigentlich die Zeche bezahlen müssten, den schwarzen Peter einfach weiter schieben, dann klingt das in jungen Ohren nach blankem Hohn: Bisher haben die Wirtschaftsbosse immer versichert, sie könnten gegen die Jugendarbeitslosigkeit nichts machen, selbst sie seien machtlos. Aus Daums Worten wird klar: Das ist nur die halbe Wahrheit, denn man will offensichtlich nicht. Ansonsten müsste der Herr Arbeitgeberpräsident nämlich zuerst mit denen, welche er vertritt, zusammensitzen: Eine Initiative von Arbeitgeberseite zur Schaffung von Stellen für junge Menschen, das wäre doch mal was Neues.

Berufswahlfreiheit aufgehoben?
In Daums Argumentation schwingt latent der Vorwurf mit, die Jungen würden heute einfach die falschen Berufe wählen: Stellen seien schon vorhanden, nur nicht dort, wo sich die Jugendlichen ausbilden liessen. Offensichtlich ist der Arbeitgeberpräsident bereit, die Wahlfreiheit des Einzelnen der Logik des Marktes zu opfern. Jahrzehntelang haben die Grosskapitalisten die Vorzüge ihres "Systems der Freiheit" gepredigt. Wo ist sie geblieben, die Freiheit? Ein System, bei welchem junge Leute bei der Berufswahl nicht ihren Neigungen und Stärken folgen können, erscheint den jgrünen als ungenügend.

Diskriminierung
Es leuchtet überhaupt nicht ein, warum gerade junge Arbeitslose schlechter behandelt werden sollen. Dass sie in der Regel ohnehin schon weniger kosten, weil sie vor dem Eintritt der Arbeitslosigkeit weniger verdienten als Ältere, liegt auf der Hand. Wer effektiv Kosten senken wollte, müsste also die Alten zuerst aussteuern, da diese die Versicherungen stärker belasten. Zudem hatten junge Arbeitnehmer in aller Regel noch nicht die Gelegenheit, Ersparnisse anzuhäufen. Wenn die Versicherung nicht mehr zahlt, ist der Jugendliche also wieder von Unterstützung durch sein Umfeld abhängig. In der Regel werden die Eltern die Zeche zahlen. Kinder kosten, das wissen wir alle. Daum haut hier noch einen oben drauf: Will man Kinderhaben möglichst zum Armutsrisiko machen, soll man ihm zustimmen. Ansonsten soll man rufen: Die Verantwortung für mangelnde Stellen liegt bei der Allgemeinheit und nicht bei den Familien!

Wir kämpfen!
Die jgrünen versprechen Herrn Daum: Sollte der Arbeitgeberverband diese Schnapsidee weiterverfolgen, kann er mit dem grösstmöglichen Widerstand von unserer Seite rechnen. Wir sind zwar nur Junge, aber auch mit uns kann man nicht machen, was man will.