Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2006

Aufwind für Kinderbetreuung

Archiv: 5. Mai 2006

Das Grüne Bündnis will einen Kontrapunkt setzen zur Spardiskussion. Die Stadt soll in die familienexterne Kinderbetreuung investieren.

Kommentar
Ein logischer zweiter Schritt
Die Stadt Luzern will wachsen, und sie will attraktiv sein, vor allem auch für Familien. Mit der vor einigen Jahren gestarteten Wohnbauinitiative hat die Stadt einen ersten Schritt zur Erreichung dieses Ziels getan. Doch attraktive Wohnungen allein genügen nicht.

Zürcher oder Emmer Familien, die einen Umzug nach Luzern ins Auge fassen, fragen rasch: Gibt es eine Tagesschule? Wie ist das Angebot an Kinderkrippen und Mittagstischen? In dieser Hinsicht hat die Stadt Luzern zwar erste Schritte gemacht, aber es bleibt noch einiges zu tun. So gesehen, verlangt die Initiative der Grünen nichts weiter als den logischen zweiten Schritt für eine familien- und kinderfreundliche Stadt.

Ein Ausbau der ausserfamiliären Kinderbetreuung darf die Stadt etwas kosten, auch im gegenwärtigen Umfeld des Sparpaketes. Gefordert ist aber auch die Wirtschaft: Sie kann mit Teilzeitarbeitsplätzen (auch für Kader) und mit grosszügigen Beiträgen an Krippen und Mittagstische mithelfen, den Standort Luzern attraktiver zu machen.
Ruth Schneider
Artikel NLZ, 5. Mai 2006, von Ruth Schneider

Das Grüne Bündnis startet morgen Samstag die Unterschriftensammlung für seine Initiative «für eine kinder- und elternfreundliche Stadt». Auf den ersten Blick eine unnötige Initiative, denn ausgerechnet der grüne Stadtrat Ruedi Meier hat kürzlich angekündigt, dass die familienexterne Kinderbetreuung weiter ausgebaut werden soll.

«Das sind gute Ansätze, aber sie reichen uns nicht», sagt die grüne Grossstadträtin Agatha Fausch Wespe, die zusammen mit Parteikolleginnen die Initiative ausgearbeitet hat. «Wir wollen mit der Verankerung der Kinderbetreuung in der Gemeindeordnung der Stadt Luzern dem Anliegen Verbindlichkeit und Nachhaltigkeit verleihen. Auch wollen wir dem Stadtrat mit der Initiative Rückenwind geben, und zwar ganz bewusst trotz und gerade wegen der Spardiskussion.»

Zusammenarbeit mit Privaten
Ziel des Grünen Bündnisses ist eine kinder- und familienfreundliche Stadt. Dazu gehört laut Agatha Fausch zwingend ein gutes Angebot an Kinderkrippen in den Quartieren, «denn es ist umständlich, durch die halbe Stadt zur Kindertagesstätte zu fahren.» Die Stadt müsse nicht selbst Krippen führen, sondern könne mit Privaten zusammenarbeiten. Wichtig seien aber Qualität und Qualitätskontrolle. In der Stadt gibt es 15 Krippen mit rund 240 mehrfach genutzten Plätzen; die Stadt führt nur eine Krippe selbst. 175 Kinder stehen auf Wartelisten.

Für Kinder im Schulalter wünscht sich das GB ebenfalls einen Ausbau der Betreuung (heute: 272 Plätze). «Das Angebot soll vielfältig, flexibel und auf die Bedürfnisse der Eltern ausgerichtet sein», sagt Agatha Fausch.

Markanter Ausbau
Im August 2006 führt die Stadt flächendeckend Blockzeiten in der Schule ein; die Sozialdirektion hat angekündigt, auf diesen Zeitpunkt hin das Angebot der Mittagstische und der Nachmittagsbetreuung auszubauen. Bei der Sozialdirektion ist ausserdem ein Bericht zur Familienpolitik mit weiteren Schritten in Vorbereitung.

Agatha Fausch, Dozentin an der Hochschule für Soziale Arbeit, hört «in vielen Gesprächen mit jungen Leuten, dass ein gutes Angebot an Kinderbetreuungsplätzen ein wichtiger Faktor ist bei der Frage, ob jemand nach Luzern zieht oder nicht. Unsere Stadt ist interessiert an jungen Neuzuzügern. Also muss sie etwas dafür tun.»

Aber: Kann, soll die Stadt sich das finanziell leisten? «Studien zeigen, dass sich jeder Franken lohnt, der in die Kinderbetreuung investiert wird», antwortet Agatha Fausch. «Aus gut verdienenden Familien fliessen mehr Steuergelder in die Stadtkasse. Ausserfamiliäre Betreuung ist auch Prävention; die Gesellschaft hat ein Interesse daran, dass Jugendliche nicht herumhängen, sondern betreut sind und sich gut ausbilden lassen.»

Initiative bestärkt Stadtrat
Stadtrat Ruedi Meier sieht die Initiative seiner Partei als «klares Zeichen dafür, wie stark der gesellschaftliche Bedarf an Betreuungsplätzen in der letzten Zeit gewachsen ist». Die Initiative bestärke den Stadtrat, seine bisherigen Anstrengungen im Bereich der familienexternen Kinderbetreuung noch zu verstärken. Zum finanziellen Aspekt sagt der Sozialdirektor, dass der Stadtrat trotz Sparpaket ausdrücklich weitere Schritte in der Familienpolitik machen wolle.

Agatha Fausch rechnet damit, dass die Initiative parteiübergreifend breite Unterstützung finden wird. Was bewegt die 64-Jährige dazu, sich in dieser Frage zu engagieren? «Die Ungeduld einer langjährigen Kämpferin für die Gleichstellung von Frau und Mann», sagt lachend die Frau, die «eigentlich Grossmutter sein könnte» und will, dass junge Väter und Mütter Familie und Beruf unter einen Hut bringen können.


» Initiative für eine kinder- und elternfreundliche Stadt
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