Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2006

Stadtluzerner Initiative für eine kinder- und elternfreundliche Stadt

Archiv: 4. Mai 2006

Das Grüne Bündnis der Stadt Luzern lanciert eine Volksinitiative mit dem Ziel, die Stadt Luzern kinder- und elternfreundlicher zu gestalten. Die Stadt soll das Angebot für Kinderbetreuung so ergänzen, dass Väter und Mütter Familien- und Erwerbsarbeit kombinieren können. Um dieses Anliegen umzusetzen, verlangen die Initiantinnen und Initianten, dass die Gemeindeordnung um folgende Punkte ergänzt wird:
  1. Die Stadt Luzern soll die Kombination von Familien- und Erwerbsarbeit für Väter und Mütter fördern.
  2. Dazu soll sie ein qualitativ gutes und breitgefächertes Angebot von Kinderbetreuungsplätzen für Vorschul- und Schulkinder anbieten. Dieses soll sich nach der ausgewiesenen Nachfrage richten. Die Stadt kann in dieser Sache auch mit privaten Anbietern zusammenarbeiten.


Medieninformation Vorstand GB Stadt Luzern

Gestern und heute
In den 70-er Jahren hat die Frauenbewegung Massnahmen für die Kinderbetreuung gefordert. Die StimmbürgerInnen haben verschiedene Vorlagen für Tagesschulen knapp abgelehnt. Immerhin wurden in der Folge in Luzern einige Schülerhorte gegründet.

Gesellschaftliche Bedürfnisse verändern sich heute enorm schnell. Immer mehr Väter und Mütter teilen Familien- und Erwerbsarbeit. Inzwischen ist das Verständnis für die familienergänzenden Betreuung gewachsen.

Die Sozial- und Bildungsdirektion (SOD) hat auf diese Veränderungen reagiert. Seit 2001 arbeiten beide Direktionen vernetzt an der Entwicklung und Planung der familienergänzenden Kinderbetreuung für Vorschul- und für Schukinder. Das Krippenwesen wurde modernisiert und ausgebaut. Im ?Eichhörnli?, im Chinderhuus Maihof und weiteren Kinderkrippen wird die Qualität laufend optimiert. Unter der Federführung der SOD ist eine zuverlässige Vernetzung und Reglementierung im Krippenwesen entstanden. Neu wurde eine sozialverträgliche Tarifverordnung erarbeitet, so dass die Tagestarife auch für Alleinerziehende und Workingpoor bezahlbar sind.

Ebenso wird die familienergänzende Kinderbetreuung für Schulkinder neu geplant und vernetzt. Seit einem Jahr gibt es in der Stadt zwei Pilotprojekte für die Betreuung von Schulkindern, nämlich das Pilotprojekt Tageschule im Grenzhof und das Modell Schule und Betreuung mit nachmittäglichen Freizeitkursen sowie zusätzliche Mittagstische für Schülerinnen und Schüler. Im Hinblick auf die Einführung der Blockzeiten ist ein weiterer Ausbau vorgesehen. Viel wurde gemacht, aber das Erworbene reicht noch lange nicht aus. Die bestehenden Plätze sind alle voll. Es gibt Wartefristen, um einen Platz in der familienergänzenden Kinderbetreuung zu erhalten.

Was will die Initiative erreichen?
Die begonnene Arbeit soll auf eine sichere Basis gestellt werden. Dazu braucht es eine gesetzliche Grundlage. Die InitiantInnen verlangen, dass das Thema Kinderbetreuuung als Aufgabe der Stadt in der Gemeindeordnung festgeschrieben wird. Die begonnene Arbeit bekommt dadurch einen verbindlichen Rahmen. Dieser Rahmen gewährleistet Eltern, ihre Familien- und Erwerbsarbeit zu kombinieren, und sie können sich dabei auf ein breitgefächertes und qualitiativ gutes Betreuungsnetz für ihre Kinder abstützen. Familienergänzende Kinderbetreuung ist damit weniger der Willkür von politischen Kräfteverhältnissen ausgesetzt.

Was bringt die Initiative?
  • Für die Stadt:
    In Luzern wurde in den vergangenen Jahren mit "Wohnen im Tribschen" attraktiver Wohnraum geschaffen. Dadurch konnte in den vergangenen Jahren die Stadtflucht gebremst werden. Die Ergebnisse der jährlichen Bevölkerungsstatistik zeigen seit 2000 wieder ein leichtes Bevölkerungswachstum. Trotzdem geht die Zahl der Kinder und Jugendlichen zurück. Ihr Anteil an der Wohnbevölkerung beträgt 14.8 %. Zugenommen hat die Zahl der Leute über 50 (18 % sind zwischen 50 bis 64-jährig, 15,1% über 65-jährig). Luzern sorgt mit einer kompetenten Spitex, mit dem Verein Haushilfe und einem spezialisierten Betreuungsangebot in der stationären Altersbetreuung gut für seine ältere Wohnbevölkerung vor. Die InitiantInnen wollen nun, dass die Stadt mit einem vergleichbaren Netz Familien mit Kindern unterstützt und fördert.
  • Für Nachwuchs sorgen:
    In der Stadt Luzern werden immer weniger Kinder geboren. Die Geburtenrate in der Stadt ist tiefer als im Kanton Luzern und in vergleichbaren Städten. Mit mehr Krippenplätzen und Tagesbetreuung fördert die Stadt den Nachwuchs. Damit wird Luzern attraktiver für Eltern, die Kinder haben wollen.
  • Für die Gleichstellung:
    Seit 1981 ist der Gleichstellungsartikel in der Bundesverfassung verankert. Mann und Frau haben bezüglich Erwerbs- und Familienarbeit die gleichen Rechte und Pflichten. Das traditionelle Modell "der Mann ist Ernährer, die Frau macht Familienarbeit" entspricht nicht mehr der Realität. Frauen sind heute ebenso gut ausgebildet und qualifiziert wie Männer. Viele Mütter und Väter wollen heute in Teilzeit weiterarbeiten, wenn sie Kinder bekommen. Die familienergänzende Kinderbetreuung macht das möglich. Für Väter und Mütter mit Kindern und Jugendlichen sind gute Kinderbetreuungsorte im Quartier eine Voraussetzung, um ein gemeinsames Familieneinkommen zu erwerben. Die Initiative reagiert auf diese gesellschaftlichen Veränderungen.
  • Für die Familien:
    Gesellschaftlich hat sich viel verändert, insbesondere in den Arbeitsbiografien von Vätern und Müttern. Wenig geändert haben sich die Bedingungen für Familien, die in der Stadt leben, wohnen und arbeiten. Zum Beispiel gibt es immer noch lange Wartelisten, wenn Eltern einen Betreuungsplatz für ihre Vorschul- und Schulkinder suchen. Die IntitiantInnen möchten mit der Initiative einen Anreiz schaffen, dass das Leben in der Stadt für Familien mit Kindern und Jugendlichen attraktiver wird. Nur wenn in allen Quartieren genügend Kinderbetreuungplätze vorhanden sind, können Väter und Mütter Wohnen, Leben und Arbeiten vereinbaren.
  • Für Kinder und Jugendliche:
    Kinder und Jugendliche erleben in gut geführten Kinderkrippen, bei Tageseltern, in der Tagesschule, im Projekt Schule und Betreuung, im Schülerclub oder im Hort eine kindgerechte und fördernde Betreuung. Sie lernen dazu, z.B. soziale und emotionale Kompetenzen.Voraussetzung ist allerdings, dass die Betreuung in den Kindertagesstätten von guter Qualität ist. So ist die Initiative auch ein Beitrag zur Prävention von Sucht und Gewalt.
  • Für die Integration:
    Wo Kinder und Jugendliche gut aufgehoben und gemeinsam betreut werden, entsteht neben dem schulischen Alltag ein Ort, wo Integration gelebt und gelernt wird. Am gemeinsamen Mittagstisch, in Ruhepausen und bei Freizeitaktivitäten wird die Sprache spielerisch erlernt. Kinder von einheimischen und zugewanderten Familien erweitern ihre Sprachkompetenzen. Die Begegnung zwischen Kindern unterschiedlicher Herkunft fördert die Integration und Sozialisation aller. Kindertagesstätten sind auch für die Eltern Orte des Kontakts und des Gesprächs. Die besonderen Erfahrungen von Eltern verschiedener Herkunft können in den Betreuungsalltag einfliessen, Integration findet statt.
  • Gegen die Armut:
    Für viele Familien ist die Erwerbsarbeit von Mann und Frau keine Frage des Wollens, sondern eine Notwendigkeit. Kinder sind heute ein Armutsrisiko. Jedes 7. Kind in der Schweiz lebt in einem Haushalt, der von Armut betroffen ist. Auch Väter und Mütter mit einem bescheidenem Familieneinkommen wollen das notwendige Einkommen selbständig erwirtschaften. Mit der Umsetzung dieser Inititiative werden Familien mit niederem Einkommen darin unterstützt, für die Existenz ihrer Familie ohne fremde Hilfe aufzukommen. Die Initiative verbessert die soziale Sicherheit und bekämpft die Armut.
    Familien, die in finanziell prekären Verhältnissen leben, wohnen oft in engen Wohnungen. Im Umfeld des Hauses gibt es wenig Spielmöglichkeiten, oder der Verkehr behindert das Spielen im Freien. Die Initiative bringt diesen Eltern und Kindern Freiraum und Entlastung, um die Enge der Wohnbedingungen zu kompensieren.
  • Für die Wirtschaft:
    Die Wirtschaft profitiert von den gut ausgebildeten Frauen, die in ihrem angestammten Beruf verbleiben können, weil ein ausreichendes gutes Kinderbetreuungsangebot vorhanden ist. Die Studie des Büro Bass (Büro für arbeits- und sozialpolitische Studien) zeigt auf, dass den Kosten für familienergänzende Kinderbetreuung ein drei- bis vierfacher Nutzen gegenübersteht:
    • Weil Kinder neue Chancen bekommen sich zu entwickeln und sozial zu lernen. Diese Rahmenbedingungen fördern eine positive schulische Entwicklung und bedeuten eine optimale Voraussetzung für ihr zukünftiges Berufsleben.
    • Weil Eltern Berufs- und Familienarbeit verbinden können, damit kontinuierlich im Berufsleben verbleiben und mehr Lohn heimtragen können.
    • Weil Firmen mehr qualifizierte ArbeitnehmerInnen zur Verfügung haben. Somit geniessen Unternehmen Standortvorteile.
    • Weil der Stadt mehr Steuern zufliessen und weniger Ausgaben anfallen durch zusätzliche schulische Förderungsmassnahmen oder Aufwendungen für schlecht integrierte Jugendliche.
Die Inititative macht Luzern als Wohn- und Arbeitsstadt attraktiver. Sie fördert Lebensqualität. Luzern? zum Leben gern!

Unterschriftenbogen (PDF, Rechtsklick und "Speichern unter...")
» NLZ-Bericht und -Kommentar zur Lancierung der Initiative