Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2006

Boa: Wer ist das Volk?

Archiv: 7. April 2006

Die Neue Luzerner Zeitung verbreitete in ihrer Ausgabe vom Donnerstag die Ansicht, ein Weiterbetrieb der Boa nach Sommer 2006 missachte den "Volkswillen". Offenbar sind also die Boagegner "das Volk". Über eine Boa-Schliessung vor Eröffnung des Kulturwerkplatzes hat nämlich noch niemand abgestimmt. Im Gegenteil: Innert kurzer Zeit ist eine Volksinitiative zu Stande gekommen, die einen längerfristigen Weiterbetrieb verlangt.

Medienmitteilung Junge Grüne Luzern

CVP-Grossstadtrat Markus Mächler ist gemäss Zeitungsbericht davon ausgegangen, dass die Boa Ende Juni 2006 geschlossen werde. Die Jungen Grünen Luzern (jgrüne) gehen davon aus, dass es nicht sein kann, dass es zu einer zweijährigen Lücke ohne Räume für die freie Luzerner Kulturszene kommt. Beide Ansichten sind vertretbar, denn weder hat sich der Stadtrat bisher zu einem Schliessungstermin geäussert, noch hat die Abstimmungsbotschaft einen solchen angegeben. Daher bringen beide Positionen eine politische Haltung zum Ausdruck: Erstere ist diejenige der Boagegner, die zweite ist boafreundlich. Eine Interpretation einer Position als "Volkswille" erscheint den jgrünen als reichlich vermessen, insbesondere, wenn man bedenkt, dass eine Volksinitiative, die ja ihres Zeichens ein Anliegen zumindest eines Teils des Volkes vertritt, gar einen dauerhaften Weiterbetrieb der Boa verlangt.

Doch noch Kompromisslösung?
Die jgrünen wünschen sich etwas mehr Diskussionsbereitschaft. Sie haben sich seit Anbeginn der Debatte für den Kulturwerkplatz eingesetzt und glauben, dass darin die weitere Zukunft der alternativen Luzerner Kultur liegt. Damit ist aber noch nichts über die Gegenwart und die unmittelbar nächste Zeit gesagt. Die jgrünen haben mittels Postulat ihrer Grossstadträtin Korintha Bärtsch eine Kompromisslösung angestrebt. Leider hat die bürgerliche Phalanx mittels Stichentscheid des Präsidenten diese verhindert. Das offizielle Luzern wie auch die Medien dürften gut beraten sein, keine radikalen Positionen zu vertreten. Denn damit wird das Boa-Problem kaum gelöst. Allerhöchstens kann so eine Eskalation erwirkt werden. Und dann wären wieder die jungen Alternativen Schuld.