Grüne Vorstösse im Kantonsparlament Luzern - Archiv 2005

Für eine Neuausrichtung im Hochwasserschutz

Archiv: 8. September 2005

Postulat von von Adrian Borgula, namens der GB-Fraktion

Im Hochwasserschutz hat sich in den vergangenen Jahren auch im Kanton Luzern eine gewisse Neuorientierung abgezeichnet, indem die traditionelle harte Verbauweise etwas weniger eingesetzt wird, während zunehmend mit Rückhaltebecken versucht wird, Hochwasserspitzen zu brechen. Die jüngsten Unwetter mit ihren gravierenden Auswirkungen zeigen eine neue Hochwasser-Dimension auf, die es nahe legen, die Grenzen der bisherigen Praxis zu erkennen, diese Praxis zu überdenken und zumindest in Teilen neu auszurichten. Die Zusammenhänge zeigen sich letztlich als viel komplexer als bisher beachtet.

Neben der Unwetter-Prävention durch eine konsequente Umweltpolitik, schlagen wir eine teilweise Neuausrichtung im Hochwasserschutz vor, welche folgende Elemente beinhaltet:
  • Zügiges Fertigstellen der Gefahrenkarten
  • Gesamtheitliche Betrachtungsweise über ganze Fliessgewässer-Einzugsgebiete (statt Einzelprojekte oder Betrachtungen auf Stufe Gemeinde)
  • Zeitliche Priorität in den potentiell stärker betroffenen Berggebieten (Kleine Emme, Wigger)
  • Vermehrtes Schaffen von Fliessgewässerausweitungen, bzw. Renaturierungen zur Hochwasserentlastung
  • Vermehrter Einsatz von Retentionsbecken
  • Schaffen von gezielten Überflutungsflächen, die im extremen Hochwasserereignis mit geringen Schäden überflutet werden können
  • Einbezug von Teilen der durch das August-Hochwasser umgestalteten Flächen in das Hochwasser-Entlastungssystem
  • Harte Verbauungen dort, wo andere Mittel nicht anwendbar oder unverhältnismässig sind
  • Konsequenter Aufbau von AkteurInnen-Plattformen, mit denen Beteiligte (VertreterInnen u.a. aus Land-, Forstwirtschaft, Verwaltungen, Wirtschaft, Wissenschaft, Politik) aus einem Einzugsgebiet zusammen die Situation analysieren, Ansprüche definieren, abwägen und koordinieren, und so die Basis legen für ein breit abgestütztes regionales Hochwasserschutzkonzept (d.h. Planung von der Basis her mit fachlicher Unterstützung vom Kanton). Dabei sind alle wichtigen politischen, gesellschaftlichen, rechtlichen, planerischen, technischen, wirtschaftlichen und naturräumlichen Aspekte zu berücksichtigen.
  • Überprüfen der bestehenden Richt- und Zonenpläne anhand der Gefahrenkarte und der erarbeiteten regionalen Hochwasserschutzkonzepte, gegebenenfalls Rückzonungen (abgestuft nach Risikolage und allenfalls mit unertschiedlichen Zeithorizonten).
  • Allenfalls ist ein Pilotversuch für ein solches integrales Hochwasserschutz-Konzept in einem ausgewählten Einzugsgebiet zu starten, damit Erfahrungen für andere Porjekte gesammelt werden können.