Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2004

Hallenbad-Neubau - Nein zum Projektierungskredit

Archiv: 26. April 2004

Am 16. Mai fällt ein wichtiger Entscheid in der Hallenbad-Frage. Die stimmberechtige Bevölkerung der Stadt Luzern kann über den Projektierungskredit von 1.584 Mio. Franken für den Hallenbad-Neubau im Strandbad Tribschen abstimmen. Mit dieser Vorlage wird die von uns schon lange verfolgte Variante der Sanierung und Erweiterung des bestehenden Hallenbades nicht berücksichtigt. Mit einem Hallenbad-Neubau im Strandbad Tribschen würde eine der letzten Grünflächen am See verbaut.

von Katharina Hubacher, Grossstadträtin, Luzern

Unbestritten ist:
Wir brauchen in Luzern ein Hallenbad mit einer zeitgemässen Infrastruktur. Wir brauchen ein Hallenbad für das Schulschwimmen, für den Vereinssport, für die Freizeitaktivitäten von Familien und Einzelpersonen, also ein Hallenbad mit verschiedenen Schwimmbecken, die diesen Bedürfnissen entsprechen. Das Hallenbad muss mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder zu Fuss gut erreichbar sein, der Eintrittspreis soll auch für ein kleines Budget erschwinglich sein. All diese Bedürfnisse könnten mit einer Sanierung und Angebotserweiterung im bisherigen Hallenbad berücksichtigt werden.

Das geplante neue Hallenbad ist abzulehnen, weil:
  • damit eine der letzten Grünflächen am See verbaut wird
  • das beliebte Familienbad damit verloren geht
  • eine Naherholungszone für die BewohnerInnen des schnell wachsenden Tribschenquartiers verloren geht
  • die attraktive Liegeweise im jetzigen Strandbad Tribschen massiv verkleinert würde. Die geplante Rutschbahn und das Aussenbecken mit dem "bewegten Wasser" würden ein Publikum anziehen, das Fun und Action haben will und nicht beschauliche Ruhe.
  • der Neubau so konzipiert ist, dass der Betrieb sehr aufwändig wird. Die Wasserflächen sind auf 6 Ebenen verteilt. Die Überwachung der verschiedenen Becken erfordert deshalb einen hohen Personalaufwand. Die Aussenbereiche und der Zugang zum See werden einen erhöhten Reinigungsbedarf erfordern. Es sind deshalb überhöhte Eintrittspreise zu befürchten.
  • das städtische Hallenbad zu einem regionalen Hallenbad werden soll. Die Besucherzahl soll sich verdoppeln, was zunehmendes Verkehrsaufkommen im Quartier bedeuten würde. Dieser zusätzliche Verkehr wird die Wohn- und Lebensqualität in einem ohnehin schon belasteten Quartier zusätzlich einschränken.
  • die Kosten für den Neubau mindestens 10 Mio. Franken höher sind als für eine Sanierung mit Angebotserweiterung. Diese Mehrkosten stehen in keinem Verhältnis zu allfälligen Mehrgewinnen durch einen Neubau.

Aus grüner Sicht macht eine Sanierung mit Angebotserweiterung am alten Standort Sinn!

Das bestehende Hallenbad muss nach 35 Jahren saniert werden. Leider haben es Stadtrat und Grosser Stadtrat bisher abgelehnt, die Sanierung- und Ausbaumöglichkeiten konkret zu prüfen. Abklärungen, welche auf Eigeninitiative von Architekten entstanden sind, zeigen auf:
  • Die Grundsubstanz, besonders die Tragkonstruktion, des bestehenden Hallenbads kann erhalten werden. Der Innenausbau, die haustechnischen Installationen, die Oberflächenverkleidung und die Fenster können ersetzt werden.
  • Die Wasserfläche kann am bestehenden Ort erweitert werden, so dass annähernd die gleiche Grösse erreicht werden kann wie im geplanten Neubau. Für die Schulen werden 2 Schwimmbecken zur Verfügung stehen.
  • Das sanierte Hallenbad kann behindertengerecht ausgebaut werden.
  • Während der Sanierung kann ein reduziertes Angebot garantiert werden.
Die weiteren Vorteile der Sanierung sind:
  • Der zentrale Ort ist zu Fuss, per Velo und Bus gut erreichbar, es entsteht kein Mehrverkehr.
  • Das bestehende Hallenbad ist von mehreren Schulhäusern in Fusswegdistanz erreichbar. Die Tribschenbadi wäre für die meisten Schulen ungünstiger zu erreichen.
  • Nach der Sanierung werden wir ein modernes Hallenbad haben und das beliebte Familienbad Tribschen.
  • Die Stadt hat in den nächsten Jahren einen hohen Investitionsbedarf, die "gesparten" 10 Mio. Franken könnten gut für die Sanierung der Schulhäuser oder Betagtenzentren gebraucht werden.



Nein-Parole unbestritten
An der GB-Veranstaltung vom 3. April wurde einstimmig die Nein-Parole zum Projektierungskredit beschlossen. Karl Borgula vom Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee argumentierte vor allem mit der Tatsache, dass die Tribschenlandschaft im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung (BLN) eingetragen ist. Claudia Luethi vom VCS wies auf das grössere Verkehrsaufkommen und die Parkplatzproblematik hin. Die Notwendigkeit und Möglichkeit einer Sanierung des bestehenden Hallenbades wurden überzeugend von Cony Grünenfelder präsentiert. Die Anwesenden konnten sich anhand der Begehung sowie der Diskussion im Richard-Wagner-Museum ein anschauliches und klares Bild machen. Das Nein war unbestritten.