Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2004

Masterplan Stadt Luzern - Strategie für die wirtschaftliche Entwicklung

Archiv: 24. Januar 2004

von Mark Schmid, für das Grüne Bündnis Stadt Luzern

Masterplan Stadt Luzern (PDF, 747 KB)

Generelle Würdigung des Berichtes, der Bedeutung und des Nutzens für die politische Steuerung der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Luzern

  1. Wir beurteilen den Masterplan in seinen Resultaten als wenig ergiebig angesichts der finanziellen und personellen Ressourcen, die für ihn aufgewendet wurden. Die Analyse der Ist-Situation bringt keine neuen Erkenntnisse. Die zukunftsgerichteten Vorschläge sind wenig innovativ und nehmen in der grossen Mehrheit nur bereits breit diskutierte Aspekte auf.

    Beispiele:
    • Die Diskussion um die Weiterentwicklung des Tourismus in Luzern ("weg vom Bus- und Tagestourismus, aktive Förderung einer längeren Aufenthaltsdauer mit höheren Pro-Kopf-Umsätzen bei weniger negativen Begleiterscheinungen") geht zumindest bis in die Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Die meisten der Erkenntnisse waren denn auch der städtischen Bevölkerung bereits anlässlich der (ersten) KKL-Abstimmung bewusst, sonst hätte sie kaum ja gesagt zu dieser grossen Investition in den Kongress- und Kulturtourismus.
    • Dort wo der Masterplan ausnahmsweise neue Ansätze aufzeigt, verpasst er es, diese zu vertiefen und einer gründlichen und kritischen Machbarkeitsüberprüfung zu unterziehen. Aus dem Bericht geht nicht hervor, wo denn das spezifische Potenzial Luzerns im Bereich Gesundheitstourismus liegt und worauf dieses aufzubauen wäre (keine medizinische Fakultät; zwar vorhandene Hotelklinik St. Anna Luzern, deren Erfahrung aber nicht in den Bericht einfliesst).

  2. Dadurch, dass der Masterplan ideologische Standpunkte aufgreift und Massnahmen vorschlägt, die in der politischen Diskussion in der Stadt Luzern nicht einen breiten Konsens gefunden haben, schafft er den Eindruck, an Stelle eines strategischen Dokuments zu einem taktischen Instrument von Einzelinteressen geworden zu sein.

    Beispiele:
    • Die Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten (S. 23: "Flexibilisierung" der Ladenöffnungszeiten: schon der Sprachgebrauch ist verräterisch!) wird äusserst kontrovers diskutiert. Skeptisch hat sich u.a. auch der Exponent der Detaillisten Bruno Richli, Emmenbrücke, geäussert (Leserbrief NLZ vom 17.1.2004). Er befürchtet ein Stärkung der Grossverteiler auf Kosten der regional verankerten Detaillisten.
    • Die Umzonung der Allenwinden-Kuppe und damit die überbauung eines das Landschafts- und Siedlungsbild prägenden Hügels steht schon lange in der politischen Diskussion und hat bis heute nie eine Mehrheit gefunden. Werden die exponierten Lagen Allenwinden, Dietschiberg und Gerlisberg (S. 28) überbaut, droht Luzern einen seiner Vorzüge zu verlieren, die gerade die Attraktivität des Wohnortes Luzern ausmacht: das historisch gewachsene Siedlungsgebiet zwischen und nicht auf den sieben Hügeln um Luzern.
    • "Abbau von übermässigen Behinderungen / Verzögerungen bei Planung und Umsetzung von Investitionsprojekten, besonders im Bereich Raumplanung und Umweltschutz"(S. 23): ideologische äusserung par excellence.

  3. Der Masterplan nimmt keinen Bezug auf die demokratischen Prozesse, die notwendig wären zu seiner Umsetzung. Damit wird er zu einem technokratischen Instrument, dem schlussendlich die Legitimierung fehlt. Als Strategiedokument hat er damit seinen Wert verloren.

    Beispiele:
    • Die Bau- und Zonenordnung der Stadt Luzern ist in einem partizipativen Prozess ("Offene Quartierplanung") entstanden. Der Masterplan schlägt nun eine Neubewertung im Gebiet Bahnhof/Tribschen/Steghof vor. Diese Neubewertung soll nun aber nicht wieder in einem partizipativen Prozess geschehen, sondern durch "eine interdisziplinäre, unabhängige Expertengruppe".
    • Die fehlende "schlagkräftige Branchenorganisation" (S. 23) ist nicht vom Himmel gefallen, sondern ist das historische Resultat der unterschiedlichen Ausrichtungen (City-Vereinigung contra Neustadt; Interessierte an einem attraktivierten, verkehrsfreien Löwengraben gegen Partialinteressen einzelner Automobilisten).
    • Dadurch, dass die Gesamtplanung bereits die Umsetzung des noch nicht diskutierten Masterplanes vorsieht, zeigt sich die fehlende Sensibilität des Planes für die politische Kultur, die einen Wert an sich darstellt.

Nr. Stossrichtung / Massnahme Bewertung Kommentar
1 Stärkung Freizeit- und Ausflugstourismus Differenziert Der Freizeit- und Ausflugstourismus hat sich immer wieder als sehr konjunkturanfällig erwiesen. Der Bus-Tourismus belastet zudem die Innenstadt in Spitzenzeiten sehr. Deshalb ist die Förderung des Tourismus differenziert zu betrachten: es ist insbesondere eine Verlagerung auf längere Aufenthalte in der Region anzustreben.
P.S.1: zum Weinen ist es, wenn die Region kaum reagiert, wenn die SBB zunehmend die internationalen Verbindungen nach Luzern kappt. Internationale Bahnreisende belasten nämlich wenig und bleiben meist mehr als ein paar Stunden.
P.S.2: Sind mit den "internationalen Hotelketten" diejenigen gemeint, die Hotels kaufen und dann zu Büroraum umfunktionieren???
2 Ausbau Kultur- und Kongresstourismus Positiv Unbestritten.
P.S.: "OM" (Burri, Leimgruber, Doran etc.) wurden internationale Grössen weit bevor sie durch Kulturbeiträge gewürdigt wurden. Wer entscheidet da über die "potenzialorientierten Kriterien"????
3 Aufbau neues Standbein Wellness- Gesundheitstourismus Negativ Besonderes Potenzial vorderhand nicht erwiesen. Wenn schon müsste medizinische und Gesundheits-Qualität die Region über andere hinausheben, was mit einem Tourismus-Institut keinesfalls erreicht wird.
4 Marktnischen bei kommerziellen Dienstleistg. Positiv Es besteht hier ein Cluster im Bereich Sozialversicherungen ‐ Versicherungen (Bundesgericht ‐ Krankenkassen ‐ SUVA - Privatversicherer), das Potenzial bietet und entsprechende Förderung (Bildungsbereich, Schaffen von Synergien in den Kongresstourismus) rechtfertigt.
5 Wohnstandort Differenziert positiv Der Plan führt zwar hauptsächlich bereits aufgegleiste Entwicklungsgebiete auf. Einzelne Massnahmen (Ueberbauen der letzten grünen Anhöhen, "Verkehrsfluss" gleich Verkehrslärm) unterminieren die beschworene Attraktivität. Die Attraktivierung kann sich nicht auf einzelne Segmente beschränken, da einerseits nicht a priori alle guten SteuerzahlerInnen "Bewachung und Wellness" suchen und andererseits die Gesamtattraktivität der Stadt für das Image von grosser Bedeutung ist.
6 Entwicklung Bahnhof / Tribschen / Steghof Differenziert Grundsätzlich anerkennen wir das Potenzial im Gebiet. Eine Gesamtbetrachtung ist sicher sinnvoll, muss aber insbesondere in einem breiten politischen Prozess geschehen. Innovation ist aus unserer Sicht: eine konsequente städtebauliche Entwicklung unter optimaler und ausschliesslicher öV-Erschliessung.
7 Verbesserung der Verkehrserschliessung Differenziert Ein Sowohl der Förderung des MIV und als Auch des öV-Ausbaus ist weder finanzierbar noch aus Attraktivitätsgründen erwünscht (MIV-belastete Quartiere). Es braucht einen klareren Entscheid zu einer öV-Strategie.
8 Verbesserung der Investitionsfähigkeit Differenziert positiv Wir betrachten die Investitionsfähigkeit der Stadt als wichtigen Faktor der Attraktivierung der Stadt. Nur zielen die aufgeführten Massnahmen hier am Kern der Sache vorbei (Auslagerung des Strassenunterhalts??? Das Beteiligungscontrolling hat hoffentlich primär andere Zielsetzungen!)
9 Weitere Stossrichtungen
  • Im Bereich Tourismus Bahn-Städtereisen
  • multidimensionale Kurzferien (Kultur ‐ Natur etc.); gebündelte Vermarktung als Pakete
  • Versicherungs-Kompetenzzentrum (siehe oben)