Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2003

Stadtrat Ruedi Meier zum Uni-Standort: Die Jahrhundertchance: Uni an den Kasernenplatz!

Archiv: 11. November 2003

Die Diskussionen über den Standort der Uni laufen auf Hochtouren. Dies ist eigentlich erfreulich. Allerdings kann die Art und Weise dieser Debatte kaum befriedigen. Zu viele spezielle und persönliche Süppchen werden dabei gekocht, zu viele Kleinigkeiten werden mit emsiger, medialer Unterstützung zu skandalähnlichen Stories aufgeblasen. Es ist wirklich an der Zeit, dass die Diskussionen auf einer differenzierteren und fundierteren Ebene geführt werden.

von Ruedi Meier, Stadtrat, Luzern

Der Stadtrat hat deshalb entschieden, sein Engagement zu verstärken, obwohl der Bau der Uni primär eine Angelegenheit des Kantons ist. Der Kritik, dass im Bereich der Kommunikation diverse Fehler gemacht worden sind, kann er sich anschliessen. Die stadträtliche Haltung sei im Folgenden kurz skizziert. Sie deckt sich mit meiner persönlichen Auffassung.

Der viel bemühte Universitätscampus umfasst zwei Bereiche:
  • eine möglichst starke Vernetzung der Bildungs- und Ausbildungsangebote sowie Forschungsprojekte aller: der Universität, der Fachhochschulen, Institute, Bibliothek(en), Archive, Museen usw. Die neu gegründete Universität soll diesbezüglich nicht abgehoben und isoliert tätig sein.
  • Ebenso wichtig ist eine räumliche Integration des Campus Luzern. Die Uni muss also dort angesiedelt sein, wo viele der oben erwähnten Institutionen präsent sind. Und dies kann nur die Stadt Luzern sein.

Die Innenstadt als Campus
So wird die Innenstadt von Luzern zum eigentlichen Campusgebiet, das innert 10 bis 15 Minuten zu Fuss durchquert werden kann und über eine hervorragende Anbindung an den öffentlichen Verkehr verfügt. Zusammen mit den Läden, den Cafés und Restaurants, den Kulturräumen und dem Theater wird das Zentrum ‐ vorab das linksufrige Gebiet - zum eigentlichen Universitätsquartier. Aus Sicht der Stadtentwicklung ist dies eine durchaus erwünschte Ergänzung der Nutzung des Stadtinnern.

Vor diesem Hintergrund hat der Stadtrat an der Idee einer Campusuniversität auf der grünen Wiese oder irgendwo in der Agglomeration immer gezweifelt. Ein solcher Campus wäre isoliert, hätte Mühe, ein kulturelles Eigenleben zu entwickeln und würde von den Studierenden ‐ wie Beispiele zeigen - nur schlecht akzeptiert. Dort könnte sich also kaum jener örtlich-nahe und kulturell-wirtschaftliche Kitt entwickeln, der für eine Universität so wichtig ist.

Zu Teilen gilt diese Argumentation auch für den Standort Allmend. Hier kommt dazu, dass dort ‐ wie die zurzeit laufende Allmendplanung zeigt ‐ keine zusätzlichen Nutzungen Platz haben. Das Wenige an Nutzungsintensivierungen, das durch die Auslagerung des Schiesswesens möglich geworden ist, muss den heutigen AllmendnutzerInnen zur Verfügung stehen: der Messe, der Naherholung, dem Naturschutz und dem Sport.

Standort Bahnhofgebiet ‐ viele Möglichkeiten
So verbleiben in der Stadt Luzern sinnvollerweise zwei Standorte: das Bahnhofgebiet und der Kasernenplatz. Der Standort Bahnhof ‐ es sind verschiedene Plätze denkbar ‐ ist allerdings mit drei Vorbehalten zu kommentieren:
  • Es handelt sich grundsätzlich um ein teures Pflaster, das die SBB AG und die Post AG nicht zu einem Freundschaftspreis abgeben würden.
  • Es kommt dazu, dass die viel genannten Landreserven dort mittels Kauf oder mittels planungsrechtlicher Einschränkungen gesichert werden müssten, was das Projekt ‐ nebst den hohen Erstkosten ‐ noch zusätzlich verteuern würde.
  • Zudem ist aus städtebaulicher Sicht anzumerken, dass an diesem Standort diverse sinnvolle Nutzungen möglich und erwünscht sind.

Kasernenplatz - inmitten des Campus
Der Standort Kasernenplatz hingegen vereint viele Vorteile auf sich. Der Standort ist sehr gut erreichbar, knappe zehn Minuten zu Fuss der Reuss entlang. Er liegt in der Innenstadt, umgeben von vielen heutigen Institutionen des Campus, von der Hochschule für Kunst und Gestaltung in der Sentimatt, dem Naturmuseum, dem Historischen Museum, dem Staatsarchiv, dem heutigen Universitätsgebäude an der Pfistergasse, nicht weit von der Hochschul- und Zentralbibliothek und den Fachhochschulen im Bahnhofgebiet usw.

Uni mit Blick auf Reuss und Altstadt, See und Berge
Mit einer neuen Verkehrsführung lässt sich am Reussufer bis in das Terrain der heutigen Verkehrsanlagen hinein eine Fläche "freischaufeln", auf der ein markanter, weitum sichtbarer Uni-Hauptbau realisiert werden kann. Olgiatis gewundener Würfel erfüllt nicht nur die Anforderung, ein Wahrzeichen der Universitätsstadt Luzern zu sein, er ist auch eine äusserst gescheite und einfache Lösung. In den unteren Geschossen werden die publikumsintensiven Nutzungen untergebracht ‐ z.B. die Cafeteria oder die grossen Hörsäle, dem Verkehr abgekehrt mit Sicht auf die Reuss und die Altstadt. In den oberen Geschossen finden die zahlreichen Sitzungszimmer und Büros Platz und zwar in einer Gebäudestruktur, die später problemlos Umgestaltungen und Umnutzungen und damit die Anpassung an neue Bedürfnisse zulässt.

Städtebauliches Entwicklungsgebiet
Der Kasernenplatz ist eine Bausünde aus den 70er Jahren. Eine Sanierung tut seit Jahren not. Es ist schwierig, sich ein Projekt vorzustellen, das wirtschaftlich einigermassen zu finanzieren ist und das politisch akzeptiert würde. Eine Universität aber ist eine einmalige Chance, diese städtebauliche Wunde zu heilen und diesem Stadtgebiet und den angrenzenden Quartieren entscheidende Entwicklungsimpulse zu geben. Hier liegen auch die geforderten Raum-Reserven, auf die ein allfälliger Uniausbau zurückgreifen kann: alte und renovationsbedürftige Bausubstanz, die früher oder später ersetzt oder saniert werden muss. Nicht zu reden vom Traum, dass dereinst die Autobahnzu- und -abfahrt aufgehoben würde... Die Uni am Kasernenplatz ist eine Jahrhundertchance für die Stadt Luzern.