Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2003

Wahlanalyse: Der 19. Oktober in Emmen

Archiv: 27. Oktober 2003

von Peter Lerch, Mitglied kantonaler Vorstand, Emmenbrücke

Die Verschiebungen in der Parteienlandschaft sind in Emmen noch massiver ausgefallen als andernorts. Die CVP befindet sich seit 1991 auf einer stetigen Talfahrt von 31.4 % auf 17.9 %, die FDP ist seit 1996 von 41.2 % auf 19.2 % eingebrochen, und die SP lag 1991 noch bei 20.2 %, hat 2000 ein Minimum mit 13.3 % erreicht und sich seitdem auf 15.3 % erholt. Das GB ist klar die stabilste Kraft in Emmen und lag immer etwas über 5 %. Bei den letzten Nationalratswahlen konnte es jedoch massiv zulegen und erreicht 8.6 %. Leider hat auch die SVP bei diesen Wahlen ihr bisher bestes Resultat erreicht und ist mit nun 35.3 % fast so stark wie CVP und FDP zusammen, nach Listenstimmen sogar stärker.

Die Nationalratsergebnisse lassen keinen direkten Schluss auf die Sitzverteilung nach den Einwohnerratswahlen zu, da je nach Art der Wahl eine andere Parteibindung gilt. Die FDP muss aber wohl mit einem Sitzverlust rechnen, ebenso die CVP. Diese beiden Sitze werden an die SVP gehen, die damit die stärkste Fraktion stellen würde. Auf der linken Seite könnte nach dem Grossratsergebnis auch ein Sitz drin liegen, nach den jüngsten Wahlen sogar zwei. Zu stark sollten wir uns aber nicht darauf freuen, da es mit dem «Demokratischen Emmen» (einer personellen Abspaltung von der SP) kaum eine Listenverbindung mit SP und GB geben und sicher auch die EVP bei den Einwohnerratswahlen antreten wird.

Besonders spannend sind auch die Wahlen in den Gemeinderat, in dem die Linke seit vier Jahren nicht mehr vertreten ist, mit 20 % WählerInnenanteil (NR 23.9 %) ihr Anspruch jedoch klar ausgewiesen ist. Die CVP und die FDP sind als Fünftels-Parteien mit je zwei Sitzen klar übervertreten, die SVP mit 30 % und einem Sitz aber ein bisschen untervertreten, den Stärkeverhältnissen wäre die Formel 2-1-1-1 also besser angemessen. In einer ersten Runde geht es diesen Herbst um den zweiten CVP-Sitz, den Luzius Hafen gegen Urs Dickerhof (SVP-Fraktionsschef) im zweiten Wahlgang am 30. November zu gewinnen versucht. Fall dies nicht gelingt, geht es im nächsten Frühling gegen die FDP, was aber schwieriger sein dürfte.