Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2003

Lärmtechnische und bauliche Sanierung der Boa - Referendum gegen den "Partybunker"

Archiv: 28. Februar 2003

Am 5. Dezember 2002 hat der Grosse Stadtrat von Luzern grossmehrheitlich einen Kredit von 2,05 Mio. Franken für die lärmtechnische und bauliche Sanierung der Boa (Verschiebung des Eingangs) bewilligt. Die SVP hatte als einzige Fraktion im Stadtparlament den Kredit mit markigen Worten abgelehnt, danach aber ausdrücklich auf eine Referendum verzichtet. Für die Boa-Sanierung wird es jetzt trotzdem "heiss", denn einige AnwohnerInnen haben mit Unterstützung der politischen Gruppierung CHance 21 das Referendum gegen den Ausbau der Boa ergriffen.

von Christa Stocker, Grossstadträtin, Luzern

Die Boa ist Teil der Kulturoffensive
Die Boa ist ein wichtiger Bestandteil der Luzerner Kulturszene. Sie ist ein Kind der Kulturoffensive, die mit dem Bau des KKL in Luzern lanciert wurde. Durch das Referendum wird der allgemein akzeptierte Kulturkontrakt in Frage gestellt. Die gesamte Kulturszene hatte sich damals geschlossen hinter das "grosse Haus am See" gestellt, weil gleichzeitig Kulturraum für die alternative Szene geschaffen wurde.

Für unsere Fraktion ist klar, dass wir weiterhin ein junges, autonomes Kulturzentrum für die "independent culture" benötigen. Luzern braucht einen Ort, wo neue Kultur-Strömungen eine Plattform erhalten. Die Boa wurde als Mehrspartenhaus konzipiert und soll nach der Lärmsanierung vermehrt diesem Auftrag gerecht werden. Theater, Kleinkunst, Performances, Videokunst, Lesungen etc. sollen dort über die Bühne gehen. Mit der zukünftigen Betreiberin der Boa wird neu ein klar umrissener Leistungsauftrag vereinbart.

Referendum stellt Kulturkontrakt in Frage
Viktor Rüegg von der CHance 21 erklärte im Zeitungsbericht der Neuen LZ vom 31.12.02, dass sich seine Gruppierung nicht gegen die Subventionierung alternativer Kulturformen stelle, nur liege die Boa - mitten im Wohnquartier - an einem falschen Ort. Die Umzonung des Wobman-Areals von der Gewerbe- in die Wohnzone war ein grosser Fehler. Hinter der Boa entstanden in den letzten beiden Jahren Wohnhäuser mit Eigentumswohnungen. Der unglückliche Umzonungsentscheid kann der Boa-Betreiberschaft allerdings nicht angelastet werden, dafür müssen der Grosse und der Kleine Stadtrat zur Rechenschaft gezogen werden.

Die CHance 21 bietet auch gleich einen vermeintlichen Lösungsvorschlag, wie das Problem "Boa" aus der Welt geschafft werden soll. Im Bereich des Konzerthauses Schüür gäbe es viel Gewerberaum. Hier müsste die Stadt mit Enteignungen Raum für Alternativkultur schaffen. Dieser Vorschlag kann kaum ernst genommen werden, denn zahlbarer Raum für das Kleingewerbe ist Mangelware in der Stadt Luzern und darf nicht noch mehr verschwinden. Enteignungen benötigen ausserdem viel Zeit und ein Neubau kommt finanziell locker auf das Doppelte bis Dreifache zu stehen.

Ich glaube kaum, dass die Luzerner StimmbürgerInnen einer solchen Variante zustimmen würden, wenn ein bestehendes Haus mit einem Bruchteil der Summe optimiert werden kann. Die Planungsarbeiten für die Schallschutzsanierung und das Bewilligungsverfahren sind während der Referendumsfrist eingestellt. Kommt das Referendum zustande, muss zusätzlich die Volksabstimmung abgewartet werden, bis weitere Schritte an die Hand genommen werden können. Je länger mit der Sanierung zugewartet werden muss, desto ungewisser wird die Zukunft der Boa. Mit populistischen Argumenten versucht nun die CHance 21, politisch gegen das Kulturhaus Boa Stimmung zu machen.

Aus der Boa-Geschichte lernen
Die Kommunikation aus dem Stadthaus mit den betroffenen AnwohnerInnen oder den MieterInnen des Boa-Gewerbeteils war mangelhaft. Wir hoffen, dass die Stadt für zukünftige Projekte aus der Boa-Geschichte gelernt hat. In der Zwischenzeit haben der Stadtpräsident und der Baudirektor EigentümerInnen aus der Nachbarschaft zu einer Aussprache eingeladen. Der Stadtrat hofft, dass sich die negative Stimmung gegen die Boa beruhigen lässt ‐ dank dem Einbezug der Betroffenen und durch klare Vorgaben für die Betriebsführung.