Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2003

Die negativen Aspekte überwiegen bei Weitem

Archiv: 19. Februar 2003

Medienmitteilung der Naturschutzorganisation Pro Sempachersee

Rückblick
Eine Arbeitsgruppe hat unter dem Namen SEMPI ein Projekt für die Personenschifffahrt auf dem Sempachersee lanciert. Präsident dieser Arbeitsgruppe ist Oskar Heini, Neuenkirch (auch Präsident der Wirtschaftsförderung Luzerner Mittelland), Projektleiter ist Werner Hess, Sursee. Das Projekt ist in einer Homepage sehr vage umschrieben. Der Vorstand von PRO SEMPACHERSEE, einer Naturschutzorganisation die sich seit Jahrzehnten für den Schutz des Sempachersees und seines Einzugsgebietes einsetzt, ist der Ansicht dass die negativen Aspekte bei Weitem überwiegen. Verschiedene andere Organisationen teilen diese Meinung. Eine Petition vereinigte innert kurzer Zeit nahezu 5000 Unterschriften gegen eine solche Schifffahrt. Diese wurde am 20. Nov. 2002 an die Regierung eingereicht.

Wir nehmen das Anliegen der Unterzeichner ernst.

Wo stehen wir heute?
Eine Personenschifffahrt auf dem Sempachersee bedingt die Änderung der Schifffahrt-Verordnung. Wir sind erstaunt, dass Regierungsstellen veranlasst haben diese Schifffahrt-Verordnung zu ändern, bevor die Petition im Grossen Rat oder im Regierungsrat behandelt wurde. Damit wird das Anliegen der Unterzeichner nicht ernst genommen.

Wir sind grundsätzlich gegen einen Schiffsbetrieb auf dem Sempachersee, weil aus unserer Sicht die negativen Aspekte überwiegen. Trotzdem wollen wir uns zu einigen Aspekten dieses Projektes äussern, wie sie uns aus heutiger Sicht bekannt sind.
  • Eine Kursschifffahrt ist nicht geplant, weil dazu nach Angabe der Initianten zwei bis drei Schiffe erforderlich wären. Die Initianten wollen ganzjährig Gruppenfahrten und im Sommer bei schönem Wetter Fahrten für Einzelpassagiere anbieten. Diese beiden Angebote sind mit einem einzelnen Schiff nicht ernsthaft zu bewältigen. Entweder werden Einzelpassagiere nur ausnahmsweise aufgenommen, oder die Initianten werden innert kurzer Zeit Bedarf für ein zweites Boot anmelden.
  • Gemäss einem Businessplan der Initianten soll von Anfang an ein selbsttragender Betrieb möglich sein. Nach unserer Information gibt es eine einzige Schifffahrtsgesellschaft in der Schweiz, welche dieses Ziel erreicht. Was geschieht, wenn der Betrieb entgegen diesen Erwartungen auch nach Jahren defizitär bleibt. Die Initianten beteuern, dass niemals öffentliche Gelder beansprucht würden. Gleiches hörte man von Herrn Corti zwei Monate vor dem Swissairgrounding.
  • Eine privatrechtliche Aktiengesellschaft wird erst nach Erhalt der notwendigen Bewilligungen gegründet. An wen werden diese Bewilligungen erteilt? Wäre es möglich, dass die Konzession an die Initianten erteilt und das Ganze später an einen dubiosen Investor übertragen wird? Das wäre dann ökologisch besonders verantwortungslos. Wir erwarten, dass die zuständigen Regierungsstellen klare Fakten verlangen, bevor sie allenfalls auf ein Konzessionsgesuch eintreten.
  • Ein Schiffsbetrieb wird die Infrastruktur vor allem an den wenigen schönen Sommertagen zusätzlich belasten, wo ohnehin sämtliche Parkierungsmöglichkeiten ausgeschöpft sind. Aus Sicht der Initianten soll dieses Problem mit einer Parkplatzbewirtschaftung gelöst werden. Eine solche Bewirtschaftung ist aber Sache der Gemeinden. So sinnvoll grundsätzlich eine Bewirtschaftung ist, wissen die Initianten sicher auch, wie schwierig sie durchsetzbar ist. Dass alle Gemeinden dieses Schiff als Anlass für eine Parkplatzbewirtschaftung nehmen, dürften selbst die Initianten kaum glauben.
  • Entgegen ersten Beteuerungen sprechen die Initianten heute davon, dass an den etwa zehn Anlegestellen bauliche Massnahmen erforderlich sind. Im Camping Sempach ist beispielsweise die Schüttung eines Hafendammes vorgesehen, in Nottwil ein Heimathafen mit Pfählen, sowie eine Werftanlage. Bei allen Anlegestellen sind landseits Schüttungen und teilweise separate Zufahrwege erforderlich. Sehr bald nach Betriebsaufnahme würden wohl weitere bauliche Massnahmen notwendig.
  • Anfänglich war von einem Schiff für 80 bis 100 Personen die Rede. Inzwischen spricht man von etwa 200 Personen. Werden auch Nachtfahrten mit Attraktionen angeboten?
  • Als Schiff steht ein Typ mit Jetantrieb zur Diskussion. Dieser Schiffstyp wurde auf dem Bielersee für die EXPO nicht zugelassen, weil dadurch Sediment aufgewirbelt wird, das eine langandauernde Trübung des Wassers zur Folge hat.
Wo immer man meint zu diesem Projekt eine Information zu bekommen, tun sich neue Fragen auf. In diesem Stadium die Schifffahrt-Verordnung zu ändern wäre verantwortungslos.

Wenn sich selbst namhafte Unternehmer, wie Herr Otto Ineichen, kritisch zu diesem Vorhaben äussern, sind wohl Bedenken angebracht.