Artikel und Pressemitteilungen - Archiv 2003

Das Projekt aus Sicht des Natur- und Umweltschutzes

Archiv: 18. Februar 2003

von Adrian Borgula, Grossrat GB Luzern

Unter den natürlichen Lebenräumen gehören die Seen und ihre Uferbereiche zu jenen, die in den vergangenen Jahrzehnten mit am stärksten belastet worden sind, sei es landseitig, vor allem durch die drastische Reduktion und Verbauung natürlicher Uferbereiche, sei es wasserseitig etwa durch die Folgen verschiedener Stoffeinträge, Überdüngung, durch Schilfsterben oder Störungen. Aufgrund der umfangreichen landschaftlichen Verluste und Belastungen besonders im Luzerner Mittelland wurden 1990 im Natur- und Landschaftsschutzgesetz die Zielsetzungen für die zukünftige Naturschutztätigkeit formuliert. Unter anderem wird gefordert, dass beeinträchtigte oder zerstörte Lebensräume einheimischer Tiere und Pflanzen wiederhergestellt oder ihre Wiederherstellung gefördert wird und dass ausgeräumte Landschaften wieder zu bereichern sind.

Der Sempachersee weist trotz vielfältiger Beeinträchtigungen im Uferbereich und in der Gewässerqualität noch erhebliche naturschutzfachliche Werte auf und wird deshalb auch über eine eben erst revidierte Schutzverordnung des Kantons geschützt. Die Erholungsnutzung am und auf dem See hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Aus naturschutzfachlicher Sicht ist eine Intensivierung der Erholungsnutzung grundsätzlich unerwünscht, kontraproduktiv und widerspricht der Forderung nach Wiederherstellung beeinträchtigter Lebensräume. Die Einführung der Personenschifffahrt auf dem Sempachersee hätte zweifellos eine zusätzliche Belastung zur Folge, wasserseitig durch zusätzliche Störungen insbesondere in der warmen, sonst schon problematischen Sommerzeit, andererseits landseitig, denn der Betrieb bedingt Landestellen und Winterplätze. Die Forderung nach Rentabilität würde mit grosser Wahrscheinlichkeit die Ergänzung landseitiger Infrastrukturen nach sich ziehen.

Das Umweltschutzgesetz fordert den Schutz von Mensch und Natur vor schädlichen und lästigen Einwirkungen. Die Begrenzung der Motorbootkontingente und -grössen ist im Kanton Luzern ein zentrales Mittel, um die Störungen auf den Seen einigermassen in Grenzen zu halten. Die diskutierte Lockerung der Schifffahrtsverordnung widerspricht diesem Auftrag. Schliesslich ist es die Aufgabe der Raumplanung die raumwirksamen Tätigkeiten aufeinander abzustimmen. Für die wachsende Erholungsnutzung um den Sempachersee kann nur eine ruhige, möglichst unbelastende, generell mobiltätsdämpfende touristische Nutzung Ziel einer raumplanerischen und nachhaltigen Förderung sein. Auch die leider kaum ausweichlichen zusätzlichen Autofahrten zu den Landestellen sind dem Naherholungswert und dem Umweltschutz ingesamt abträglich.